Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 11 (10.3.1918)
- Article
- Viribus unitis
- Date
- 1918-03-10
- Page
- Seite 249 (sequence 3)
- Language
- German
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249 nicht täuschen,.daß die Schwierigkeiten, diese verschiedenartigen Kräfte zusammenzuhalten, nicht unbedeutende sind, Kräfte, die bisher vielfach gegeneinander gearbeitet haben. Die Klippen, die vorhanden und über die hinwegzutäuschen ganz falsch wäre, können mir glücklich vermieden werden, wenn auf allen Seiten ein erhebliches M.aß von politischer Selbstbeschränkung vorhanden ist. Wir alle müssen die Vergangenheit mit ihren mannigfachen, zum Teil recht unerfreulichen Gegensätzen völlig ausschalten; wir alle müssen die getroffenen Vereinbarungen loyal innehalten; wir alle müssen jenen politischen Takt üben, ohne den es unmöglich ist, ein Kompromiß über alle Anfechtungen hinüber bis zum endgültigen Erfolge zu tragen. Die Hoffnung, dieses glückliche Ergebnis zu erzielen, ist keine kleine, wenn sich jeder einzelne in der neuen Gemeinsamkeitsorganisation gegenwärtig hält, welch großes Ziel erreicht werden kann! die durchgeführte Emanzipation deis Ostjudentums und damit die Möglichkeit, daß Millionen Juden einer glücklicheren Zukunft entgegengeführt werden. Die erfolgreiche Durchführung dieses Programms wird ein Beweis für die politische Reife der deutschen Juden sein. Und hoffentlich ist das Programm der deutschen Juden stark genug, um zu einem gleichen Vorgehen auch die Juden Österreichs, Ungarns, Bulgariens und der Türkei anzuspornen. Die Vereinigung jüdischer Organisationen Deutschlands ist in diesem Augenblick damit beschäftigt, in der Gesamtheit der Mittelmächte verwandte Gebilde nach dem Vorbilde des deutschen Zusammenschlusses ins Leben zu rufen. Gelingt dies, wie zu erwarten, dann wird die Gesamtheit der Juden der Mittelmächte nach erzielter Verständigung untereinander und in engster Anlehnung aneinander eine Macht darstellen, die auf Berücksichtigung Anspruch hat, zum Segen der Ostjuden und zum Segen einer gesunden Fortentwicklung der Weltkultur. Ukraina Von Leo 11 o s e n b e r g, Berlin £|^fer Friedensschluß der Mittelmächte mit dein ukrainischen Mw$ Dreißigmiliionenvolk ist ein Ereignis, dessen Bedeutung sich auch für den Schreiber der Tagesgeschichte nicht im eigentlichen Vorgang erschöpft, sondern über sich selbst hinauswirkt und oine neue Weltsituation schafft. Und in der Tat: das Aufhorchen der Welt galt nicht weniger als dem Teilfrieden dem Werden eines neuen Volkes. Der Vertrag von Brest-Litowsk bildete zugleich die Geburtsurkunde einer großen Nation, die zum historisch-staatlichen Sein erwachte. Daß aber diese neue Völkergeburt ihren Daseinsgrund und ihre Daseinsberechtigung nicht eigentlich in objektiven Tatsachen und Gegebenheiten, sondern in einer freien Willensentscheidung hatte, mußte dem