Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 11 (10.3.1918)
- Article
- Viribus unitis
- Date
- 1918-03-10
- Page
- Seite 247 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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7m Viribus unifis Von-Dr. Paul Nathan, Berlin S|^inc Reihe von Gründen hat die Juden Deutschlands veranlaßt, * W^k eino £emeirlsame Organisation ins Leben zu rufen — die vßP^ „Vereinigung jüdischer Organisationen Deutschlands zur Wahrung der Rechte der Juden des Ostens". Die Probleme des Ostjudentums haben eine außerordentliche Bedeutung für das Judenproblem der Weit Im Osten sitzt noch heute die überwiegende Masse aller Juden. Eine Entscheidung in diesem oder jenem Sinne, die unmittelbar die Ostjuden trifft, berührt zugleich die Zentralmächte und in weiterer Ausstrahlung auch die Vereinigten Staaten, wo die bedrängten Juden Osteuropas bisher stets eine Zuflucht .gefunden haben. Das Schicksal von Millionen Juden wird eine tiefeingreifende Wendling also durch diesen Krieg erfahren. Solchen Problemen gegenüber ist die zusammengefaßte Kraft des gesamten deutschen Judentums vielleicht ausreichend, um die zweckmäßigsten Entscheidungen anzubahnen; aber keine einzige Richtung innerhalb des deutschen Judentums konnte leichten Herzens die ungeheure Verantwortung auf sich nehmen, die in dem Glauben besteht, daß sie für sich über die allein zutreffenden Lösungen des national, politisch, wirtschaftlich und religiös überaus verwickelten Problems verfüge. Das waren die gegebenen Voraussetzungen, die bei allen, die verantwortlich fühlen, den Zusammenschluß in irgendeiner Fonn unbedingt forderten. Dazu kamen praktische Erwägungen. Auch die besten Lösungen, die der deutschen Reichsregierung nahegebracht wurden, konnten das •erforderliche Gewicht kaum haben, wenn sie nur von einer einzelnen Organisation ausgingen. Es bestand die Gefahr, daß andere Organisationen mit anderen Vorschlägen die Reichsregierung angingen, und daß in diesem Wirrwarr von widerstreitenden Anträgen das Deutsche ßeich den rechten Weg zum Schaden des Staats und zum Schaden der Gesamtheit des Judentums verfehlte. Solchen schwerwiegenden Gründen haben sich die großen jüdischen Organisationen Deutschlands zugänglich erwiesen, wie gegensätzlich sie auch zu einer ganzen Reihe von religiösen, nationalen und politischen Fragen stehen mögen; sie mußten sich sagen, daß in dieser Schicksalsstunde es notwendig sein würde, eine Einheit zu schaffen. Diese Einigkeit ist heute glücklicherweise vorhanden. Sie besteht nicht darin, daß die einen sich dem Programm der •anderen unterworfen haben; daß die strenggläubigen Juden liberal geworden sind, oder die Liberalen orthodox, oder die Zionisten sich zu nichtzionistischen Ansichten bekehrt haben, und ebensowenig umgekehrt. Die Weltanschauung und das Programm, auf dem die verschiedenen Richtungen des Judentums in Deutschland stehen, ist unberührt geblieben und mußte erklärlicherweise unberührt bleiben, wenn über-