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Neue jüdische Monatshefte · 1918-03-10 · Heft 11 (10.3.1918) · p. Seite 246

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 11 (10.3.1918)
Article
Einigkeit
Date
1918-03-10
Page
Seite 246 (sequence 3)
Language
German
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246 Synthese herbeigeführt, die wir insbesondere im Interesse des deutschen Taterlandes begrüßen. Den Engländern ist damit der Judenfang gelegt, der Judenwind aus den Segeln genommen, das Prestige, die Beschützer der Judcnheit zu sein, genommen und dabei ein Programm aufgestellt, in welchem Zionisten, Äzioniston und Antizionisten sich einigen können. . 3. In der V.J.O.D. sind zum ersten Male sämtliche jüdische Organisationen Deutschlands voreinigt. Es ist zu erwarten, daß die Agudas Jisroel und die Freie Vereinigung den ihr offengehaltenen Beitritt erklären werden. Ich begrüße die Schaffung mit um ko größerer Genugtuung, als ich schon in meinem Artikel „Glaube und Heimat" darauf hingewiesen habe, daß in der Ostjudenfrage oino bedauerliche Zersplitterung der Kräfte stattfinde und daß ein Zusammengehen der Organisationen dringend notwendig sei, ohne daß prinzipielle Gegensätze im Innern verwischt und verkleistert würden. Als ich die Ehre hatte, die „Neuen Jüdischen Monatshefte44 durch einen Artikel einweihen zu dürfen, habe ich der Hoffnung und dem "Wunsche Ausdruck gegeben, daß sie der Versöhnung der jüdischen Parteien dienen werden, daß, wenn man die Zeitschriften der .verschiedenen jüdischen Richtungen lese, man glauben müsse, daß €3 überhaupt nur jüdische Parteien, nicht mehr ein Judentum gebe. Ich habe infolge dieses und' meines Artikels „Glaube und Heimat/' manch btfses Wort von Mischmaschpolitik, Kompromißpolitik und unpraktischem Idealismus hören müssen. Ich freue mich, daß mein unversieglicher Optimismus und meine „unpraktische Lebensauffassung" doch sich durchgerungen hat. Ich bin weit davon entfernt, durch Kompromisse ä tout prix sich zu kompromittieren, aber wer sich Mühe gibt, die prinzipiellen Gegensätze zu erkennen und zu scheiden, was zu scheiden ist, wird leicht erkennen, wo eine mittlere Linie der gemeinsamen Arbeit gefunden werden kann. Auch hier steht die Freie Vereinigung noch abseits. Ich hoffe, daß es gelingen wird, einen Zusammenschluß mit ihr zustande zu bringen, insbesondere mit dem eben gebildeten „Vollzugsausschuß der jüdisch-orthodoxen Organisationen der Mittelmächte" zusammenzuarbeiten; Denn nur, wenn wir einig sind, werden wir stark sein und der Erfüllung der Aufgaben gewachsen sein, die unserer harren. Wenn erst einmal die Führer der verschiedenen Organisationen gemeinsam in einer alle berührenden Frage der auswärtigen Politik Hand in Hand arbeiten, so wird auch in den Fragen der inneren Politik, in denen eine. verschiedene Weltauffassung besteht, verhütet werden, daß die sachliche Gegnerschaft zur persönlichen Feindschaft führt, daß dem Gegner guter Glaube und ehrliche Überzeugung abgesprochen wird und es werden die notwendigen Auseinandersetzungen lediglich sachlich mit den Waffen des Geistes geführt werden. Nur wenn wir einig sein werden, werden wir stark sein. Nirgend gilt der Satz mehr, daß duobus litigantibus tertius gaudet.

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