Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Monatshefte · 1918-03-10 · Heft 11 (10.3.1918) · p. Seite 245

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 11 (10.3.1918)
Article
Einigkeit
Date
1918-03-10
Page
Seite 245 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2908689-2908714-2908724-2910686--1501-2910711
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

245 3. sollten zu derjenigen Organisation, welche die-jüdischen Vereinigungen der Mittelmächte zum Zwecke der Aufstellung eines einheitlichen Judenprogramms für die Friedenskongreßfrage und zum Zwecke der Fühlung mit den Juden der Mittelmächte vereinigte, die Zionisten zugezogen werden oder nicht? Mit freudiger Genugtuung begrüße ich es, daß, wenn auch die Einigung noch nicht .voll erreicht ist, so doch ein großer Schritt auf dem Wege zur Einigung vorwärts getan ist. 1. Die im „Verbände der Deutschen Juden" zusammengeschlossenen Organisationen haben sich schließlich auf dem vom „Zentralvcrein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" von vorn herein mit Nachdruck vertretenen Standpunkt geeinigt, daß wir jüdischen Deutschen um der Würde und Gleichberechtigung des Judentums wegen für das Herrenhaus ein Präsentationsrecht verlangen müßten, daß wir nicht auf gleicher Stufe mit Anwälten, Künstlern, Än.ten, Kaufleuten usw., sondern mit den Mächten des religiösen Lebens, also mit den beiden christlichen Bekenntnissen stehen müßten, und daß das königliche Vertrauen nur solange einzusetzen habe, bis ein Präsentationskörper geschaffen sei. Es ist damit eine Lösung gefunden, die der Würde des Judentums entspricht und doch die Schwierigkeiten, die aus dem Mangel eines Präsentationskörpers erwachsen, zur Zeit beseitigt. Es empfiehlt sich vor allem, zu verlangen, daß das. Vorsclilagsrccht der jüdischen Religionsgemeinschaft im Gesetze schon jetzt festgelegt wird, damit, wenn die Zukunft uns einen Präsentationskörper bringt, das Recht bereits im Gesetze anerkannt ist. Nur die „Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" steht zu meinem Bedauern noch abseits, wohl weil sie in der Schaffung eines Präsentationskörpers ihre Majorisierung und einen ersten Schritt zu der ihr verhaßten Gesamtorganisation erblickt. Infolgedessen hat sie die Einberufung kraft königlichen Vertrauens als den gangbarsten Weg erachtet. Ich halte dieses Vorgehen selbst vom Standpunkts der Freien Vereinigung aus nicht für glücklich, weil nach meiner Auffassung die Schaffung eines Präsentationskörpers die Bildung der Gesamtorganisation mehr retardieren als beschleunigen wird, und ich gebe die Hoffnung nicht auf, daß auch hier sich noch eine Einheitsfront herstellen lassen wird, weil der Mangel an Einigkeit beiden Richtungen zum Schaden gereicht. Es dürfte nicht unschwer sein, ein Programm aufzustellen, bei welchem das der Würde des Judentums allein entsprechende Präsentationsrecht gewährt und doch eine Majorisierung keiner Richtung geschaffen wird. 2. In der P a 1 ä s t i n a frage kam es darauf an, den Engländern den Wind der Judensympathie aus den Segeln zu nehmen, ohne daß ihr eigentlicher Plan, die Türkei zu schwächen, dadurch mitgefördert würde. Auch hier ist es nicht ohne Mühe gelungen, unsere leitenden Kreise davon zu überzeugen, daß in der Palästinafrage sich unschwer eine Synthese zwischen deutschen, türkischen und jüdischen Interessen finden lasse. Durch die Erklärung von Nessimi Bey und Talaat Pascha und dem Froiherrn von dem Bussch© Haddenhausen ist dieso glückliche

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.