Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 9-10 (10.2.1918)
- Article
- Die galizische Judenschaft in den Jahren 1772 - 1848 in wirtschaftsstatistischer Bedeutung
- Date
- 1918-02-10
- Page
- Seite 224 (sequence 2)
- Language
- German
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2?A „Besser eine Wüste" .... Wir wollen nun ziffernmäßig darstellen: jene jüdische Wirklichkeit, wolcho die österreichische Regierung auf dem galizischen Boden vorfand, und jene Formen, die das Leben der jüdischen Bevölkerung Galiziens bis 1848 unter dem Einfluß der Judenpolitik der „Toleranzperiode" angenommen hat. Einen Einblick in die Lage der galizischen Judenschaft zur Zeit, als Galizien an Österreich kam, gewähren und zwei Quellen: eine Judeazählung, die von der polnischen Regierung 1764/65 vorgenommen wurde und eine durch die österreichische Regierung 1773 durchgeführte Volkszählung. Wir erhalten nun folgendes Bild: 1764J65 leben in Galizien ungefähr 150 000 Juden, 1773 : 224 081. Der Anteil der jüdischen Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung beträgt 1773 in Westgalizien (ohne Krakau) 3,5 %, in Ostgalizien etwa, 9 %, wobei jedoch für den reußischen, Beizer und Lubliner Kreis rund 13,2 % entfallen. Die Verteilung der Juden auf Stadt und Land zeigt für das Jahr 1764/65 folgende Tabelle: I. Wo jwodschaften und Bezirke Zahl der Märkte und Städte mit jüd. Bevölk. Zahl der jüd. Bevölk. i. d. Märkten und Städten Zahl der Dörfer mit jüd. Bevölk. Zahl der Dorfjuden Anteil der | Landjudenj schaft an der jüd. Gesamt-' bevölker. °/o Krakauer Wojwodschaft . . ö Lemberger Landschaft . ■<§ Bezirk Zydaczow ... § Haliczcr Landschaft . . o Bezirk Trerabowla . . . 48 36 11 so 15 19 14 084 28 205 4 014 9 862 5 899 9 472 784 660 154 332 " 192 188 6 330 0 783 1477 3 301 1635 1 515 31,08 19,39 26,89 25,07 21,76 13.79 im Durchschnitt 23 Danach lebte etwa ein Viertel der jüdischen Gesamtbevölkerung auf dem Lande; der städtische Charakter der jüdischen Bevölkerung tritt klar zutage, doch war der Prozentsatz der Landjudenschaft immerhin ein beträchtlicher. Zu den größten städtischen Judensiedlungen gehörten: Brody (7169 Juden), Lemberg (6142), Krakau (3457), Zölkiew (2017), Tarnopol (1246), Ztoczöw (1150), 'Sniatyn (Uli). Bezeichnend Ist die ungewöhnliche Zerstreuung der Juden auf dem flachen Lande: unsere Tabelle zeigt Judenniederlassungon in nicht weniger als 2310 Dörfern, wobei auf eine Niederlassung durchschnittlich acht bis neun Juden, also etwa zwei Familien entfallen. Auf eine städtische "Niederlassung entfielen etwa 400 Juden. Judengemeinden mit einer Bevölkerungszahl von über 1000 Seelen gab es im ganzen sieben. Den Aufbau der jüdischen Bevölkerung um 1765 beleuchtet Tabcllo II, die auf Grund einer namentlichen Volkszählung für des