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Neue jüdische Monatshefte · 1918-01-10 · Heft 7 (10.1.1918) · p. Seite 148

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 7 (10.1.1918)
Article
Die Erklärung der Reichsregierung
Date
1918-01-10
Page
Seite 148 (sequence 1)
Language
German
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14d......................................_..........................................................................;....... Die Erklärung der Reichsregierung Von Prof. Dr. Franz Oppenheimer, Berlin lf(S^^e ^rk^rung? ^e **err v- Bussche-Haddcnhausen den Ver- 3 tretern zweier jüdischer Komitees erteilt h?tt, zerfällt in zwei m£zM> Abschnitte, deren erster vorwiegend für das „Komitee für den Osten", deren zweiter vorwiegend für das „Zionistische Aktions- Komitee" bestimmt war. Der erste betrifft den Schutz der nationalen Minderheiten in den Randgebieten Westrußlands, der zweite die Kolonisation Palästinas. Da ,die beiden Angelegenheiten innig zusammenhängen und in ihrer Gesamtheit das außenpolitische Interesse der deutschen Judenheit überhaupt bilden, hat die Reichsregierung den Weg gewählt, si6 in einer an eine neutrale und eine zionistische Abordnung gerichteten Erklärung zu behandeln. Uns interessiert an diesem Orte — unbeschadet der Wichtigkeit, die auch wir dem Palästinaproblem beimessen, und der Genugtuung, die wir Uber den Fortschritt einer Lösung empfinden*) — vor allem der erste Teil der Erklärung, der sich an uns richtete und zu dem großen Problem Stellung nahm, das in diesen Blättern von Anfang an in den Mittelpunkt, der Arbeit gestellt war: zum Schutz der jüdischen Minderheit im slawischen Osten. Wir begrüßen die Erklärung mit hoher Freude, wahrlich nicht, weil sie einen Erfolg unserer beharrlichen Arbeit darstellt, sondern weil sie beweist, daß die leitenden Männer Deutschlands den Forderungen der Zeit Verständnis und guten Willen entgegenbringen. WTir sind weit davon entfernt, den Augenblickswert dieser Kundgebung zu überschätzen; wir wissen gerade so gut wie andere Leute, daß es sich zunächst nur um eine Taube auf dem Dache handelt, und können verstehen, wenn sie einen Sperling in der Hand höher schätzen. Wir .wissen,, daß die Erklärung den Juden des Ostens noch keine Rechte .bringt und gewiß nicht auf die Dauer gewährleistet, bissen, daß Rechte selbst dann, wenn sie formell verliehen sind, nur so lange gesichert sind, wie der YVille und die Macht dahinter stehen, sie zu verteidigen und zu bewahren. Aber wir glauben auch zu wissen, daß auf die Dauer ein Pr/in zip eine stärkere geschichtliche Macht ist als die verschmitzteste Diplomatie der mit Machtmitteln wohl ausgestatteten Realpolitik, und daß ein Prinzip Rechte zu verleihen und zu sichern imstande ist. Und aus dem Grunde vor allem begrüßen wir die Erklärung der Reichsregierung mit hoher Freude, weil sie den Sieg . eines Prinzips bedeutet! Warum ist ein Prinzip eine historische Macht, und wie wirkt es auf den historischen Prozeß ein? Es ist, soziologisch gesehen, immer , ein ideologisch verkleidetes Gruppeninteresse und hat daher als Triebkraft und Heerschar die koalierte; Kraft der Gruppe hinter *) über die mit dem Palästinaproblem zusammenhängenden Fragen bringen wir In der nächsten Nummer der Monatshefte eine ausführliche Darstellung. 1). Red.

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