Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 6 (25.12.1917)
- Article
- Die Judenfrage in der Internationale
- Date
- 1917-12-25
- Page
- Seite 139 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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rond diese bei einer normalen Entwicklung der Ereignisse heute vielleicht so weit wäre, sich des Proletariats unterdrückter Nationen anzunehmen und dessen nationale Selbständigkeit durch Aufnahme in die Internationale anzuerkennen, haben die in Stockholm Versammelten nicht nur proletarische, sondern auch völkerrechtliche Fragen in den Bereich ihrer Aufgaben gezogen. Im Einklang damit steht der Entschluß, sich nicht nur der jüdischen Arbeiterinteressen, sondern der gesamten Judenfrage anzunehmen und für die Erlangung der jüdischen ..Nationalrechte zu kämpfen. Es besteht kein Zweifei, daß sich gerade jüdische Parteiführer aus Deutschland und Österreich auch dieses Mal wieder gegen die Aufrollung der Judenfrage durch die Internationale stemmen werden; auch ist die Haltung des „Bund" gegenüber einer Sektion, welche berechtigt wäre, die Palästinafrage in ihr Programm aufzunehmen, noch nicht ersichtlich. Es ist aber zu erwarten, daß das nationale Bewußtsein sowohl in den Vertretern der Sozialdemokratie wie in der Masse des Judentums inzwischen stark genug geworden ist, um die Widerstände zu überwinden und die Lösung der jüdischen Frage im nationalen Sinne zu ermöglichen. Ist diese Lösung doch eng verknüpft mit dem Grundsatz der proletarischen Internationalität, deren Erzielung heute, da der nationalistische Standpunkt der Überspannung zustrebt, dem Sozialdemokraten doppelt wünschenswert erscheinen muß: „Nur bei einer frei sich entwickelnden Nation ist das erfolgreiche Fortschreiten auf dein Wege zum Sozialismus möglich, und nur zwischen autonomen Nationen ist die Verwirklichung der Internationale denkbar." SW' Verwandlungen Von Joseph Budko, Berlin Juden verstanden uns stets auf das Wandern. Auch diese yffik wanderten, zu dritt: ein Mann und zwei Mädchen. Die Ge- SVÖ sichter blaß vor Elend. Hunger und Not haben den Augen einen krankhaften, schwermütigen, mitunter gierigen Glanz verliehen. „Und wohin denn?" unterbrach ich die unsicheren Schritte des alten M.annnes. Er schien mir nicht antworten zu wollen. „Nach der Stadtküche!" kam dann ein leises Lispeln aus seinem Munde. Er ging weiter mit den Mädchen. Abends. Die Synagoge füllt sich bis auf den letzton Platz. Alle sehen mit Neugierde zur Misrachwand hin. Dort soll er sofort erscheinen, der berühmte Magid aus P. Ein Knabe steht neben mir und erhebt sich fortwährend auf die Zehen, streckt den Hals in die Höhe und beunruhigt mich zudringlich: „Kommt gleich der Magid?" „Gewiß — sofort kommt er."