Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 6 (25.12.1917)
- Article
- Der preußische Rabbiner
- Date
- 1917-12-25
- Page
- Seite 128 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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im Die aufe6npoliäsdie Bedeutung der naüonaljüdischen Bewegung Von Max Cohen, Reuß Mitglied des Reichstags ffl^^ie Riesenwellen des Weltkriegs haben im Osten Europas eine ganze 1 tä> m Anzahl kleinerer, bisher unterdrückter Nationen, in die Möglichkeit jJös^Nb nationaler Selbständigkeit gehoben. Finnländer und Polen, Esten und Letten, Litauer und Ukrainer und schließlich auch die Juden verlangen das Recht der nationalen Selbstbestimmung und hoffen, daß der Friede es ihnen bringen wird. In Westeuropa ist man im allgemeinen über die nationalen Wünsche der verschiedenen osteuropäischen Nationalitäten nicht allzu gut unterrichtet, am schlechtesten über die der Juden. Trotzdem es eine nationaljüdische Bewegung nicht erst seit gestern gibt und die zionistische Propaganda auch westlich der Weichsel nicht ohne Wirkung geblieben ist. Allmählich ist das etwas besser geworden. Freilich: kein Ereignis hat den nationalen Forderungen der Juden einen so starken Antrieb gegeben wie der gegenwärtige Krieg, der für das Bekanntwerden ihres Wollcns und für die Zunahme ihrer Anhänger mehr fertig gebracht hat, als ein Jahrzehnt ruhiger Entwicklung. Auch in bisher gänzlich teilnahmlosen Kreisen zeigt man steigendes Interesse sowohl für die Forderungen des Ostjudentums im allgemeinen als auch für die speziellen Bestrebungen des Zionismus. Wenn man auch noch nicht davon sprechen kann, daß in deutschen politischen Kreisen das Recht des Ostjudentums auf Anerkennung seiner eigenen und besonderen Nationalität durchweg zugestanden wird, so hat sich doch in der letzten Zeit eine große Wandlung in der Auffassung vieler vollzogen. Die Tatsachen dieses Krieges haben jüdischen und nichtjüdischen Kreisen Deutschlands, die früher allem National jüdischen feindlich gegenüberstanden, für alles Nationale erheblich die Sinne geschärft. Die Unterhaltung auch über die nationaljüdische Bewegung ist in Deutschland in Fluß gekommen, und es gibt mehr als einen ernsthaften und einflußreichen Politiker, der es bedauert, daß man den Juden Polens nicht mehr Entgegenkommen gezeigt hat. Wenn nun auch nicht alle Diskussionen, die diesem Gegenstand gewidmet werden, an die breite Öffentlichkeit gelangen, so spielt er dennoch in manchen politischen Erwägungen mäßgebender Kreise eine Rolle, die sicherlich von einiger Bedeutung ist. Das ist immerhin schon etwas, und, gemessen mit den •Maßstäben früherer Zeiten, vielleicht sogar eine ganze Menge. Und man darf diesen Fortschritt, auch wenn er manchem ungenügend erscheint, immerhin mit Befriedigung feststellen. Denn wer wollte ver- " kennen, daß für die an erster Stelle handelnden Völker des Weltdramas die Judenfrage nicht in der vordersten Linie stehen kann? . Allerdings •wird ihre Bedeutung dadurch gehoben, weil es in allen am Krieg beteiligton Ländern (und ebenso in den neutralen) zahlreiche politisch und -wirtschaftlich einflußreiche Leute gibt, die den nationalen Wünschen öes Judentums besonderes Interesse entgegenbringen. Einmal, weil sie