Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 5 (10.12.1917)
- Article
- Jüdische Gemeinschaft
- Date
- 1917-12-10
- Page
- Seite 112 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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112 dessen Inhalt aber ebenso gemeinschaftlich betont ist wie sein Ausdruck; denn der nur private Inhalt verbietet die öffentliche Bekanntmachung, zu der jede geistige Schöpfung drängt; der Ausdruck aber muß so beschaffen sein, daß er einer (mehr oder weniger großen) Vielheit verständlich ist. Die so wirkenden Gemeinschaften werden natürlich diejenigen sein, denen die schöpferischen Menschen angehören. In diesem Sinne können wir gerade heute und in Deutschland von jüdischer Kunst-„und Denkgemeinschaft sprechen, wenn wir etwa an die Dichter Werfel, Brod, Kerr, Kraus . . ., an die Philosophen Cohen, Cassirer, Simmel, Husserl . . . denken.) Die Juden als Träger europäischer Wirfschaftskuihir in Palästina Von Dr. Fritz Sternberg, Breslau ^^j||(^ffiix gehen von der Annahme aus, daß der jüdischen Einwanderung in Palästina auch nach dem Kriege keine große l^#Sv<£j Schwierigkeiten erwachsen werden. Die Ententestaaten werden die zionistischen Bestrebungen nach Kräften fördern; die Stellung ' der Zentralmächte zum Zionismus ist wesentlich freundlicher als jemals zuvor. Und die Türkei wird, wie wir aus guten Gründen hoffen, auf die Dauer dem jüdischen Kolonisationswerk keinen Stein in den Weg legen. Daher erwarten wir nach dem Kriege ein weiteres Steigen der jüdischen, d.h. im wesentlichen europäischen Bevölkerung in Palästina. Wenn wir den voraussichtlichen Einfluß der Juden auf die palästinänsische Volkswirtschaft darstellen wollen, so können wir einmal mit den Wirkungen beginnen, die sie bisher ausgelöst haben; wir können aber auch die orientalische Wirtschaftsgeschichte daraufhin untersuchen, an welchen Stellen orientalische und europäische Wirtschaft sich berührt haben, und wir glauben, bei dieser Methode die spezifischen Bedingungen der Europäisierung Palästinas am besten herausarbeiten zu können. Sowohl in der Türkei, wie auch besonders in Turkcstan und Ägypten haben Europäer auf die Weiterentwickelung orientalischer Wirtschaft entscheidenden Einfluß gewonnen, und man könnte meinen, daß Palästinas Zukunft sich nicht allzusehr von der eines dieser drei Länder unterscheiden wird. Wir halten jedoch diese Annahme für völlig, verfehlt. Zunächst einmal ist Palästina das einzige Land, in dem die Träger der europäischen Wirtschaftskultur in großer Zahl im Lande sind, ' im Lande bleiben wollen; wir glauben, daß dieser Punkt von ganz entscheidender Bedeutung ist, und schon dadurch die Entwicklung Palästinas in ganz andere Bahnen gelenkt werden wird, zumal deswegen, weil auch in Zukunft die Zahl der Europäer in allen anderen Teilen des vorderen Orients nicht allzu groß sein wird. So