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Neue jüdische Monatshefte · 1917-10-25 · Heft 2 (25.10.1917) · p. Seite 44

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 2 (25.10.1917)
Article
In eigener Sache
Date
1917-10-25
Page
Seite 44 (sequence 2)
Language
German
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44 Jüdischen Monatshefte41 verfallen. Wie, das wird nicht klar. Klar wird überhaupt nichts als die Behauptung, unser Blatt bezeichne sich erstens zu unrecht „als offenen Sprechsaal für jedermann", vertrete zweitens „eine Politik der religiösen und politischen Vergewaltigung" und billige drittens „ein brutales Attentat auf die Gewissensfreiheit der gesamten deutschen Judenheit". Worin dieses Attentat beutehen soll, wird ganz und gar nicht klar; es scheint sich um gewisse Forderungen orthodoxer Kreise in Schuldingen zu handeln; jedenfalls tritt der Rabbiii ervorband (vor «nichtjüdischon Lesern!) ungefähr in die satanische Beleuchtung des „Synhedrion der Weltjuden", das in früheren Zeiten in schlechten Romanen eine groteske Rolle spielte. Unser Blatt gegen den Vorwurf des Klerikalismus und der Reaktion zu verteidigen, dürfen wir unseren sämtlichen Lesern getrost überlassen, die. die Anklage sicherlich mit beträchtlicher Heiterkeit aufnehmen werden. Dagegen-verlangt der einzige substantiierte Vorwurf, daß es sich fälschlich als offenen Sprechsaal bezeichne, seine Antwort. Herrn Dr. jur. Emil Ernst Schweitzer ist ein Artikel zurückgewiesen worden! Die Redaktion hat gefunden, daß er nach Inhalt und Form nicht geeignet sei, in einem Blatte höheren Stils abgedruckt zu werden. Wir müssen verlangen: Knappheit der Darstellung, Präzision im Tatsächlichen, Mäßigung in der Form. Sämtlichen Postulaten ist der Autor nach der Auffassung der Redaktion nicht gerecht geworden. Darin mag sie sich vielleicht geirrt haben, aber sehr wahrscheinlich ist mir diese Annahme nicht, nachdem ich jetzt zum ersten Male Gelegenheit gehabt habe, eine Arbeit aus dieser Feder zu lesen, in der weder von Knappheit der Darstellung, noch von Präzision im Tatsächlichen, noch von Mäßigung in der Form irgendwie die Rede sein kann. So handelt es sich offenbar um einen jener zahlreichen Autoren mit sehr stark gespanntem Selbstbewußtsein, die gänzlich außerstande sind, sich einen Mißerfolg anders zu erklären, als mit großartigen Verschwörungen gegen ihre eigene bedeutsame Person. Fast zur Gewißheit steigert sich diese Psychodiagnose, wenn ich folgendes in Erwägung ziehe. Herrn Dr. jur. Emil Ernst Schweitzer war und ist es bekannt, daß die Redaktion der „N. J. M." nur als erste Instanz entscheidet. Es war ihm unbenommen, sich an einen der Herausgeber, z. B. an mich, den er mehrfach mit schmerzhaften Loböprüchen apostrophiert, und, wenn er wollte, an das Greminium der Herausgeber als Berufungsinstanz zu wenden. Er hat es vorgezogen, statt dessen in einem nichtjüdischen Blatte einen Skandal zu provozieren — oder hat doch wenigstens den Versuch dazu gemacht. Er sollte bedenken, daß ein Michael Kohlhaas, alß dessen würdiger Nachfolger in seinem „Kampf ums Recht" er sich offenbar erscheint, nur eine lächerliche Figur wäre, wenn er nicht alle, aber auch alle Möglichkeiten, zu seinem Rechte zu kommen, erschöpft hätte, bevor er losbrach.

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