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Neue jüdische Monatshefte · 1917-10-25 · Heft 2 (25.10.1917) · p. Seite 42

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 2 (25.10.1917)
Article
Die neuhebräische Literatur
Date
1917-10-25
Page
Seite 42 (sequence 6)
Language
German
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42 kraft stehen, deren Gipfelhöhe in die Zukunft hineinragt. Als die bedeutendsten Dichter dieser jüngsten Schaffensperiode sind Chajim Nachman. Bialik, S. Schnßur, Jakob Cahau, Saul Tschernichowski, David Schimono witz und Jakob Steinberg zu nennen; als Prosaiker von klassischer Bedeutung J. L. Perez und der jungverstorbene Romanschreiber A. Berschadski. Daneben eine stattliche Reihe jüngerer und allerjüngster Lyriker und Erzähler. Die Palme der modernen Dichtung in hebräischer Zunge gobührt aber unzweifelhaft C h. N. Bialik und S. Schneur. Als Lyriker stehen beide an Gefühlstiefe und~Ausdrucksvermögen groß und unerreicht unter allen denen da, die seit den Tagen der Psalmisten ihre Seele in das hebräische Wort gössen. Vor Bialik hat aber Schnöur einen starken dramatischen Pathos und ausgeprägtes plastisches VYeltempfinden voraus, was seinem Lyrismus, im Gegensatz zum typisch gewordenen Charakter der hebräischen Lyrik, Kraft und Wucht der Gestaltung verleiht. Ein besonderer Platz gebührt den in verschwenderischer Pracht der Formen prangenden und von tiefstem Ideengehalt erfüllten kulturgeschichtlichen Poemen Schneurs. Seine Naturlyrik steht in der hebräischen Dichtung einzig da. Sie gelangte zur vollen und reichsten Entfaltung in seinen „B e r g 1 i e d e r n", deren überweltlich-urgründigen Klänge gleichsam dem Erdgeist abgelauscht zu sein scheinen. Unter den Prosaikern dieser jüngsten Schaffensepoche der hebräischen Nationalliteratur ragen besonders hervor S. Ben-Zion, J. Ch. Brenner, G. .Schofmann (letzterer ein Meister epischer Kleinkunst), Je hu da Stein berg, A. Kabak und der junge Galizier Ascher Barasch. Zeugnis von einer eigenartigen dichterischen Begabung legen die bisher erschienenen kleineren Erzählungen von A. S. Agnon ab. Als Kritiker und Publizisten übten namentlich David Frischmann, Reuven Brainin, Achad Haam und S. Bernfeld großen Einfluß auf die modern-hebräische Stilform aus. Der neuen literarischen und politischen Lebensrichtungen Mittelpunkt und vornehmstes* Organ ist die von Aehad-Haam begründete Monatsschrift „Haschiloaoh*4 in Odessa. Losgelöst vom nährenden Urgrund eines naturwüchsigen Volkstums und scheinbar aller Wurzelhaftigkeit bar, hat der alte, knorrige Stamm unseres nationalen Schrifttums sich zu immer neuen und herrlicheren Blüten verjüngt, hat immer höher und sonnenäher seine Gipfel gestreckt Seine späte Blüte aber war seine höchste und köstlichste. Sie ist es, die von ungebrochenem Daseinswillen und unversiegbarer Lebenskraft Zeugnis ablegt. Sie kündet einen Aufstieg. Das Ostjudentum glaubt an seine Zukunft.

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