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Neue jüdische Monatshefte · 1917-10-25 · Heft 2 (25.10.1917) · p. Seite 34

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 2 (25.10.1917)
Article
Das Schulwesen in Polen und die Juden
Date
1917-10-25
Page
Seite 34 (sequence 5)
Language
German
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34 Polen aliein die Entscheidung inne, wiederum werden die Juden nicht gehört. Dann ist es nicht einmal sicher, daß selbst in den jüdischen Religionsschulen die allgemeinen Fächer in der jüdischen Muttersprache und von jüdischen Lehrern unterrichtet werden sollen. Man braucht nur einmal in einem Cheder gewesen zu sein, um zu verstehen, was für ein Verbrechen es ist, einen jüdischen Chederknaben, der kein Wort Polnisch versteht, zu zwingen, sämtliche Lehrfächer, also sogar das Rechnen und dergleichen in polnischer Sprache zu lernen. Dieselben Leute, die eine derartige nationale und religiöse Unterdrückung betreiben, haben noch die Stirn, sich einerseits vor der ganzen Welt über die nationale und religiöse Bedrückung des Polentums zu beschweren und andererseits vor der deutschen Öffentlichkeit mit ihrer altbekannten polnischen Toleranz zu prahlen. Obenerwähntes bezieht sich vor allem auf öffentliche Schulen. Es wäre jedoch ein Irrtum zu glauben, daß den Juden wenigstens auf dem Gebiet des Privatschulwesens Freiheit gewährt worden «ist. Nicht im geringsten. Nicht einmal die Wahl der Unterrichtssprache ist dem Erachten des Eigentümers einer Privatschule anheimgestellt3). So sieht der erste Schritt aus, den die polnischen Machthaber zur Verwirklichung des künftigen selbständigen „freien" Polens machon. Soll das den Juden einen Grund zur Verzweiflung bieten? Ich glaube kaum. Vielleicht gerade im Gegenteil! Es ist sehr gut, daß die polnischen Chauvinisten vor der öffentlichen Meinung der kulturellen Weit beizeiten ihre Karten geöffnet haben. Der neue Geist, der nach dem Frieden hoffentlich die Welt auf ganz andere Fundamente steilen wird, auf Grundlagen des Rechts und der Freiheit, wird diese Frucht der Vergewaltigung und Unduldsamkeit hinwegfegen! Zur tage der Juden in Oberost*) ß|f^ust im gleichen Augenblick, in dem durch die deutsche und neuj^§J&? trale Presse die Nachricht geht, daß der Oberbefehlshaber Ost (Siß& für die seiner Leitung unterstellten Gebiete ein eigenes jüdisches Referat geschaffen und an dessen Spitze eine Persönlichkeit berufen hat, die sich seit Jahren des uneingeschränkten Vertrauens weitester jüdischer Kreise in allen Ländern erfreut, finden sich in der feindlichen Fresse offene und versteckte Angriffe gegen die Verwaltung der im Osten besetzten Gebiete, insonderheit gegen die von dieser angeblich a) Um die Benachteiligung der Juden in der neuen Schuiverordnung richtig zu verstehen, möge man das Gesetz zur Sicherung der Minderheiten aufmerksam lesen, das sich auf die jüdische Minorität nicht bezieht. Dieses Gesetz zeigt, daß man der polnischen Toleranz bei weitem nicht vertraut und die deutsche Minderheit sorgfältig schützt, obwohl man — aus selbstverständlichen Gründen — auf Bedrückimg der Deutschen viel weniger rechnen dürfte, als auf die Zurücksetzung der Juden. °) Die nachfolgende Darstellung geht uns von besonderer Seite mit der Bitte um Veröffentlichung zu. D. Red.

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