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Neue jüdische Monatshefte · 1917-10-25 · Heft 2 (25.10.1917) · p. Seite 31

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 2 (25.10.1917)
Article
Das Schulwesen in Polen und die Juden
Date
1917-10-25
Page
Seite 31 (sequence 2)
Language
German
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31 deutsche Nationalität einen künstlichen Zwiespalt hineingetragen hat. In der Praxis ist die Einrichtung von deutschen Schulen dadurch wesentlich erschwert worden, weil es bei der kleinen Anzahl der Deutschen in Polen nicht leicht sein wird, besondere evangelische und besondere katholische Schulen zu gründen, anstatt gemeinsame deutsche Schulen mit der Berücksichtigung des Konfessionsunterschieds im Religionsunterricht, wie es in den polnischen Schulen der Fall ist, zu errichten. Auch diese Trennung der Deutschen ist höchstwahrscheinlich nur lediglich den polnischen Chauvinisten zuliebe getan, die um ihren „Judenbesitz" fürchteten, Sie haben nämlich gefürchtet, daß angesichts der gut erprobten polnischen Toleranz die Juden, mangels eines eigenen nationalen Schulwesens, lieber geneigt werden, sich in die deutsche Schulgemeinschaft einzuschreiben, als in der polnischen zu verbleiben. Bei den Deutschen könnten sie wenigstens die Gewißheit haben, daß sie eine genügende Anzahl von Schulen für öffentliche Mittel besitzen würden, daß ihre religiösen Bedürfnisse berücksichtigt, und daß sie überhaupt menschlicher behandelt, und nicht all den Drangsalierungen preisgegeben würden, die ein jüdisches Kind in der heutigen polnischen Schule zu erdulden hat. Dann fürchteten die Polen, daß die Deutschen das Jiddisch nominell als deutschen Dialekt anerkennen und somit für die Juden in der Praxis nationale Schulen gründen würden1). Nur damit läßt sich erklären, daß man die Deutschen in Evangeliker und Katholiker geteilt hat und noch dazu mit der Bestimmung, daß in den ersteren Schulen lediglich evangelische und in den zweiten nur katholische Lehrkräfte angestellt werden dürfen. Am schlimmsten werden dadurch die jüdischen Assimilanten aus Deutschland abschneiden, die allerdings zur Beeinträchtigung der national-jüdischen Rechte nicht wenig beigetragen haben. Sollte sich ein „jüdischer Deutscher" in Polen niederlassen, da stehen ihm nicht dieselben Rechte wie dem christlichen Deutschen zu; er kann nicht Deutscher bleiben, sondern *) Ein Versuch, auf diesem Umwege die jiddische Sprache zu sanktionieren, wurde seitens der Deutschen in Polen bereits gemacht. In einem Artikel unter der Überschrift „Die Sprachenfragen in den Volksschulen Polens'1, gedruckt in der amtlichen „Deutschen Warschauer Zeitung" (vom 3. Dezember 1915) lesen wir unter anderem: „Ein nicht unbedeutender Prozentsatz von Polens Bevölkerung spricht aber nicht Polnisch als Muttersprache. ... In dem ganzen Königreich lebt ferner eine ansehnliche Minderheit von Juden. Aus denselben Gründen wie der Polnisch sprechenden Bevölkerung muß gerechterweise den Deutschen und Juden deren Muttersprache als Unterrichtssprache in den Schulen zugestanden werden, gemäß dem Sprichwort: ,Was dem einen recht ist, ist dem anderen billig.1 Deshalb ist in allen deutschen und jüdischen Schulen Deutsch als Unterrichtssprache festgesetzt Wenn hierbei für die Juden die deutsche Sprache als Muttersprache erachtet wurde, so liegt das wohl in der großen sprachlichen Verwandtschaft des Jiddischen mit dem Deutschen. . . . Wie die deutschen Dialekte neben dem Hochdeutsch auch in der Literatur die schönen Blütea treiben ... so wird auch dasJiddische neben dem Hochdeutsch seine berechtigte Entwicklung finde n."

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