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Neue jüdische Monatshefte · 1917-10-10 · Heft 1 (10.10.1917) · p. Seite 24

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 1 (10.10.1917)
Article
Streiflichter über jüdische Religion und Wissenschaft
Date
1917-10-10
Page
Seite 24 (sequence 4)
Language
German
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24 Gott, der dich zu uns gesandt hat?, welches ist sein Name?" Da antwortet ihm Gott: „Ich bin, der ich bin. So sollst du den Israeliten sagen:. I c h b i n hat mich zu euch geschickt." . Wahrlich, es gibt vielleicht kein größeres Wunder in der ganzen Geschichte des Geistes, als welches in diesem Satze sich enthüllt. Eine Ursprache, die ohne jede Philosophie hervortritt, stammelt hier da& tiefste Wort aller Philosophie. Der Name Gottes sei: Ich bin, der ich bin. Gott ist der Seiende. Gott ist das Ich, welches den Seienden bedeutet. So ist es denn schon charakteristisch, daß dieses Sein nicht im Neutrum bezeichnet wird, sondern als Ich; aber verliert es etwa, dadurch den Denkwert des Seins, daß es zu dem Seienden, als dem seienden Ich, dem seienden Subjekt, wird? Wir fragten nach dem Sinn im Begriffe des Einzigen bei Gott. Jetzt erfahren wir nun freilich, daß der Einzige Gott in der Tat daseinzige Sein bedeutet, und zwar als den einzig Seienden. Und so stehen wir denn wiederum vor der Frage, ob der Monotheismus zum Nihilismus, werde an der Weit und zumal am Menschen. Der einzige Gott in der Bedeutung des Einzig Seienden, vernichtet er nun etwa alles andere Sein, oder aber unterscheidet er dieses nur von dem einzigen Gotte, so daß nur in der Bedeutung des Seins das einzige Sein Gottes eine Scheidung macht zwischen ihm und allem Sein der Welt einschließlich der Menschenwelt? Man sieht, daß der Monotheismus von Anfang an nicht nur Widerspruch erhebt gegen den Polytheismus, sondern ebenso auch gegen den Pantheismus. Gott und Welt können nicht eine Einheit bilden; denn Gott ist einzig. Aber die Einzigkeit Gottes bedeutet das einzige Sein Gottes. Wird, nun etwa dadurch die Welt und zumal der Mensch zum Nichtsein gemacht dadurch, daß Gott das einzige Sein ist? Ist der Monotheismus der Nihilismus von Welt und Mensch? Die OScnbarung des einzigen Gottes ergeht an Mose mit dem Auftrage an sein Volk. Es wäre nicht nur ein logischer, es wäre einpsychologischer Widerspruch, wenn der einzige Gott hätte erdacht werden können in dem Widersinn eines solchen Nihilismus. Es ist vielmehr nur eine unbewußte Fortwirkung des Gedankens der Einheit und' seiner Selbstverwandlung in die Identität, der das Widerspiel der Identität, den Widerspruch in den Begriff der Einzigkeit hinüberträgt,, als ob diese, für Gott gedacht, dadurch Welt und Mensch in das Nichtsein versetzte. Ein solcher Widerspruch besteht bei der Einheit, nicht, aber bei der Einzigkeit. Wir wollen vielmehr erwägen, daß die Einzigkeit diesen Widerspruch sogar ausschließt; daß sie für Welt und Mensch vielmehr ,ein Sein fordert; wenngleich nicht diejenige Art des Seins, welche mit der einzigen Seinsart Gottes identisch wäre. Die Bestimmung dieser andern Art des Seins für Welt und Menschwird herzuleiten sein aus dem Sein Gottes. Und in dieser Herleitung wird sich die Einzigkeit des göttlichen Seins zu ihrer positiven Bedeutung erheben.

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