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Neue jüdische Monatshefte · 1917-10-10 · Heft 1 (10.10.1917) · p. Seite 22

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 1 (10.10.1917)
Article
Streiflichter über jüdische Religion und Wissenschaft
Date
1917-10-10
Page
Seite 22 (sequence 2)
Language
German
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ii lfiufcr des Monotheismus im Griechentum. Er verspottet die intimste Kunst der Griechen, die Plastik mit ihren Götteridealen, und er lehrt dadurch der Mythenwelt gegenüber den Gedanken von der Einheit Gottes, die durch Zeus gegen den gesamten Götterhimmel vertreten werde. Der Keim des Monotheismus, der hier aufgeht, wurzelt sonach freilich in dem Kampf gegen den Polytheismus mit seiner Darstellung der Götter in der Sinnenwelt, Die Einheit des Denkens springt aber über vom Kosmos auf die Götter und erdenkt, wie in der Natur, so auch in der Götterwelt, die Einheit, Die Einheit der Welt wird zur Einheit Gottes. Diese Abfolge der Gedanken ist festzuhalten. Es entstehen bei Xenophanes die beiden Einheiten von Welt und Gott nicht nebeneinander, sondern die Einheit der Welt geht über in die Einheit Gottes. Welt und Gott bleiben nicht zwei getrennte Einheiten, sondern sie werden selbst wieder in eine Einheit verwandelt. Die Einheit macht Weit und Gott identisch. So entsteht an dieser Vorstufe des Monotheismus vielmehr der Pantheismus. Wenn anders nun aber der Monotheismus keineswegs gleichbedeutend ist mit dem Pantheismus so erkennen wir an dieser klassischen Stelle die Gefahr, welche der Begriff der Einheit in sich birgt. Denn er begründet nicht ausschließlich die Einheit der Welt als vielmehr zugleich die Einheit von Welt und Gott. Die Einheit wird hier alsbald auch für das fernere Denken wirksam gemacht, Wjelt und Gott werden vereinigt. Und so geht die Einheit über in die I d e n t i t ä t, die der andere Grundbegriff des Denkens ist. Und so wird es an diesem Quellpunkte der griechischen Spekulation deutlich, daß die Einheit Gottes unmittelbar hinüberleitet in den Pantheismus. Und so wird dadurch die wichtige Einsicht eröffnet: daß die Einheit nicht der zug ii n g 1 i c h e Ausdruck sein kann für den echten Begriff des Monotheismus. Die biblischen Quellen entfalten freilich keine methodische Philosophie, nichtsdestoweniger aber enthalten sie Wurzelansätze der religiösen Spekulation* Wie könnte es anders sein, da sie ja die Wahrheit Gottes offenbaren wollen? Wie aber könnte der Gedanke Gottes zur Aussprache kommen, wenn nicht durch das Denken, welches der Sinnes- Wahrnehmung sich entgegensetzt? Wenn anders nun aber nur mit den Mitteln des Denkens gelehrt werden kann, was Gott sei, im Unterschiede von den Göttern sei und nicht minder auch von Himmel und Erde, so mußte auch in diesen Kitesten Quellen schon der Gedanke der Einheit auftauchen, um aller Vielheit der Götter und der der Sinnlichkeit gegenüber den Gott des Geistes als den Gott der Wahrheit zu offenbaren. An diesem ältesten Scheidewege des Geistes bewährt es sich nun aber ferner, daß die religiöse Spekulation nicht schlechterdings die Philosophie nachahmt, sondern daß sie sich auch an den allgemeinen Begriffen des Denkens ihre eigenen Wege bahnt, Sie verschmäht daher den Begriff der Einheit, dieses allgemeinste Organ des Denkens, und setzt an die S.t eile der Einheit die Einzigkeit, um mit der Einzigkeit den neuen Gott zu erdenken.

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