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Neue jüdische Monatshefte · 1917-10-10 · Heft 1 (10.10.1917) · p. Seite 11

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 1 (10.10.1917)
Article
Über die Prophetie [Rezension]
Date
1917-10-10
Page
Seite 11 (sequence 7)
Language
German
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11 zu erörternl). Für die Entscheidung' im ersten Sinne spricht Duhms treffender Hinweis, daß die Form, in der die Prophetie auftritt, für sie wesenhaft ist, und diese Form trägt den Stempel der Persönlichkeit. Diese Form ist die poetische, und sie ist nicht zufällig oder künstlich, sondern notwendig (S. 95). Wie tief der Zusammenhang des prophetischen und des dichterischen Schaffens hinabreicht, das hat auch Duhm nicht bis in die letzten Gründe verfolgt. Eine eindringende Betrachtung zeigt, daß sie wesensgleich sind; nur daß beim Propheten das dichterische Schaffen unter der richtenden Herrschaft einer überwertigen Idee steht, der Idee des Sittlichen. Sehr klar tritt die Art des prophetischen Schaffens in den V i s i o - n e n zutage. Wir stellen uns unter dem Einfluß der späteren apokalyptischen Schilderungen eines Ezechiel oder Daniel gewöhnlich unter einer Vision etwas ganz anderes vor, als was es bei den echten klassischen Propheten ist. Ein an sich gleichgültiges, alltägliches, aber wirkliches Vorkommnis erscheint dem ständig gespannten Prophetengeist als geheimnisvolle Beziehung auf das Schicksal seines Volkes. Das ist Vision. Dieser Definition ist Duhm (S. 92 u. 93) sehr nahe gekommen. Das wesentliche der Vision ist die auch dem genialen Dichter eigene innere Verknüpfung von scheinbar ganz fernliegenden Dingen. Den alltäglichen Anblick der Arbeit des Töpfers formt Jeremia zu dem wundervollen Gleichnis: wie Ton in der Hand des Töpfers seid ihr in Gottes Hand. Eine besondere Stellung nehmen vielleicht die Berufungsvisionen ein; aber es würde zu weit führen, hier näher auf sie einzugehen. Für die Gottesidee der Propheten findet Duhm gleichfalls schon bei Arnos den wichtigsten allgemeinen Satz: Gott ist ein sittliches Wesen: Gott sucht man, wenn man das Gute sucht (S. 132). Den schärfsten Ausdruck findet dieser Gedanke bei Jeremia (22, 16) in dem herrlichen Wort über König Josia: „Er schaffte Recht dem Armen und Elenden; heißt das nicht, mich erkennen? spricht Gott." Man darf sogtir sagen: Gott und die sittliche Idee sind eins. Damit beginnt ein neuer Schöpfungstag in der Menschengeschichte. Nachdem wir schon in der kurzen Darstellung des Propheten Arnos Duhm's wichtigste allgemeine Gedanken über Prophetentum gefunden haben2), können wir uns über alles Weitere kurz fassen. Aber die weiteren Kapitel in Duhms Buch, über Hosea, Micha, Jesaja und besonders über Jeremia, sind Kunstwerke von hohem Range und bringen eine Fülle von Erkenntnissen über Wesensart und Wollen dieser Männer. Hierbei verdichtet sich für den, der von der Bibel selbst an das Buch herangeht, auch in Duhms Darstellung der Eindruck, daß nicht der wegen seiner glänzenden Sprache leicht überschätzte Jesaja^ sondern der l) Für die Erörterung dieser und anderer grundsätzlicher Fragen muß ich auf mein demnächst erscheinendes Buch „Die Prophetie" verweisen. a) Diese wenigen Seiten in Duhms Buch geben auch über die Gestalt des Arnos selbst mehr wirkliche Erkenntnis, als das ganze jüngst erschienene Büchlein von Hans Schmidt „Der Prophet Arnos" (Tübingen. .1. C. B. Mohr. 1917).

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