Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 1 (10.10.1917)
- Article
- Über die Prophetie [Rezension]
- Date
- 1917-10-10
- Page
- Seite 7 (sequence 3)
- Language
- German
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Bewußtseinszustand im Affekt. Das Verhalten des Willens im Affekt Über Sinnestäuschungen. Über Schlaf und Traum. Über Suggestion und Hypnose. Als das grundlegende Phänomen der Prophetie sieht Hölscher die „Ekstase" an, jenen eigentümlichen Zustand, der am ehesten noch mit dem „Trancezustand" des hypnotischen „Mediums'4 zu vergleichen ist, gekennzeichnet gleichzeitig durch eine Trübung und Einengung des Bewußtseins und seine hellseherische Erweiterung in anderer Richtung. Die Ekstase geht einher mit Veränderungen der Willenstätigkeit, indem unwillkürliche und rhythmische Bewegungsimpulse vorherrschen, und mit stärksten Gemütsbewegungen, die ihre Ursache, aber auch ihre Folge sein können. Mit der Ekstase wirken nach H. vor allem die Sinnestäuschungen und die Autosuggestion zusammen, um die „Vision" zustande zu bringen. Man sieht .aus diesen kurzen Hinweisen, .daß Hölscher bestrebt ist, die Prophetie aus anderen uns geläufigen Erscheinungen des normalen, und krankhaften Seelenlebens abzuleiten. Die folgenden Abschnitte des Buches „Die ältere Mantik" und „Das ekstasische Prophetentum" suchen die Prophetie geschichtlich und völkervergleichend in einen breiteren Zusammenhang einzuordnen. Zauberwesen und Wahrsagertum der alten Völker werden zum Vergleich herangezogen aus Arabien, Ägypten, Assyrien und Babylonien. Ganz besonderer Nachdruck wird auf die ekstatischen Kulte des alten Kanaan und Syrien gelegt, und hier kommt Hölscher zu einem bündigen Schluß (S. 140—142): das israelitischen Eksüitikertum ist kanaanälscher Herkunft, In einem kurzen Abschnitt (S.159—188) wird dann noch die Entwicklung des ältesten israelitischen Prophetentums und seiner leitenden Gedanken bis zur Mitte des 8. Jahrhunderts, bis zum Auftreten der Schriftpropheten, behandelt. Dann endlich geht Hölscher zu den „großen Propheten" von Arnos 'bis Deuterojesaja und den letzten Ausläufern der biblischen Prophetie über (S. 180—35S). Unser Interesse wächst: denn grade diese Gestalten verkörpern uns ja den klassischen Begriff des Prophetentums, und in ihr Verständnis wünschen wir vor allem einzudringen. Aber wir erleben eine, herbe Enttäuschung: Alle die schönen, im ersten Teil mit soviel Gelehrsamkeit behandelten Begriffe sagen uns hier gar nichts. Ekstase, Halluzination, Hypnose, Suggestion und Autosuggestion erklären vielleicht manches an den älteren Gestalten eines Samuel, Elia und Elisa, auch an den späteren „Apokalyptikern11 Hesekiel, Deutcro-Sacharja, Daniel und Henoch bis hinab zur Apokalypse des Johannes — aber mit Arnos treten ^ir in eine neue Welt, in der sie völlig versagen! Der Grund ist leicht zu erkennen. Was Hölscher gibt, ist wen ig m,ehr als ein scheinwissenschaftliches Mäntclchen, erborgt von der modernen Psychologie. Es ist notdürftig brauchbar zur Einkleidung gewisser äußerer und äußerlicher Erscheinungsformen, die auch das spätere, klassische Prophetentum hie und da nicht ganz abgestreift hat, weil sie aus altem überkommenenem Formenschatz stammten. Aber