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Neue jüdische Monatshefte · 1917-10-10 · Heft 1 (10.10.1917) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 1 (10.10.1917)
Article
Antisemitismus
Date
1917-10-10
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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5 Der Burgfrieden ist nicht gehalten worden. Wer ihn zuerst brach, haben wir gesehen: diejenigen, deren Privilegien vor dem Geiste de* Burgfriedens nicht Bestand haben konnten, wenn er der Geist des neuen Deutschlands wurde. Man sagt uns täglich, daß wir unmöglich wirtschaftlich dort wieder anknüpfen können, wo wir am 1. August 1014 standen, und hat recht damit: aber politisch, vor allem innerpolitisch denkt man dort wieder anzufangen. Auch das ist unmöglich, aber der Herrenstand Alt-Preußens wird alles daransetzen, es zu tun. Die antisemitische Hetzmeutc kläfft wieder fast ungehemmt durch alle Gassen; auch Herr Werner-Gießen steht, wo er stand. Wir werden den Burgfrieden halten bis zum Frieden. Das sagt nicht, daß wir jede Beleidigung dulden werden. Aber wir wissen, daß wir nach dem Kriege nichts anderes zu erwarten haben als den alten Kampf in verschärfter Form. Und wir alle wissen jetzt, wir alle, was des Kampfes Ziel ist. Wir können nur frei atmen, wenn wir Vollbürger sind. Was uns aber das Vollbürgertum weigert, ist der Geist des alten Eroberertums, ist der Geist des patriarchalischen Großgrundbesitzertums, das nur so lange bestehen kann, wie es den Menschen als Objekt fremden, statt als Subjekt seines eigenen Willens betrachtet. Was uns beleidigt und in unserer Ehre kränkt, ist der üble, aber für diese Art von Betrieb unerläßliche Ton des Gutshofes. Dieser Geist und dieser Ton werden unten bis in die tiefsten Schichten nachgeahmt werden, immer gröber und plumper, so lange wie die oben die ITerrenklasse sind. Wir haben den Blutpreis ehrlich bezahlt, und wir werden um unser Recht kämpfen, das man uns freiwillig nicht gibt. Und wir wissen — gegen wen! as alte Rätsel der Prophetie läßt die Geister nicht los. Ja man kann sagen, daß erst durch die vertiefte Einsicht, die %E^d^ emsige Forscherarbeit der letzten Jahrzehnte auf dem Gebiet des kritischen Bibelstudiunis zutage gefördert hat, jetzt eine gewisse Aussicht besteht, dem Problem näherzukommen. Denn zunächst mußte, ganz ähnlich wie in der Naturwissenschaft, der Gegenstand der Untersuchung genauer umgrenzt und festgelegt werden. Ein Beispiel mag das erläutern: Wenn man früher von Jesaja sprach, so meinte man das ganze uns vorliegende biblische Buch von 60 Kapiteln. Heute ist e> :;:) W ir bringen diesen über das gewöhnliche Maß einer Bücherschau hinausgehenden Aufsatz anstatt des Literaturblattes, das in dem nächsten Heft wieder fortgesetzt wird. D. Red. Über die Prophetie Eine Bücherschau*) Von Dr. E1 i & s Auerbach, im Felde

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