Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 1 (10.10.1917)
- Article
- Antisemitismus
- Date
- 1917-10-10
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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2 der Jude es höchstens bis zum Leutnant bringen konnte, darf man auch nur die dekorierten nicht-jüdischen Kämpfer der gleichen Jahrgänge und des gleichen militärischen Ranges zum Vergleich heranziehen. Selbst diese Statistik wird gegen alle Hasser und Verleumder zeugen. Und noch mehr die Statistik des Todes! Der Schlachtentod macht keinen Unterschied zwischen den Anhängern der verschiedenen Konfessionen. Und er hat genommen, was ihm nach der Verhältniszahl zukam, und wahrscheinlich mehr. Denn unsere Jungen haben sich, mußten sich mehr aussetzen als die anderen. Sie taten es schon im Frieden. Es war nicht ihre Schuld, sondern die ihrer Umgebung, wenn ihr Ehrgeiz immer etwas überheiztes an sich hatte; sie hatten es so viel schwerer, sich durchzusetzen. Darum arbeiteten'sie als Gelehrte-und Künstler mit Überdruck. Daruni ist ihr Prozentsatz unter den verwegensten Alpengängern immer erstaunlich hoch, und die Zahl der Opfer außer allem Verhältnis gewesen* So auch jetzt. Sehr oft ist mir von Vorgesetzten gesagt' worden, daß ihre Juden immer die Ersten bei jeder Meldung zu gefährlichen Auftrügen waren, ja, daß man sie um ihrer Waghalsigkeit willen tadeln mußte. Der österreichische Minister von Stürgkh sagte mir wörtlich: „Unsere Juden haben sich in der Front und hinter der Front so trefflich gehalten, daß der österreichische Staat entschlossen ist, ihren Wünschen so weit wie möglich entgegenzukommen.'4 Und ein Genera Ist a b s o f fi z i er : „Zwei Vorurteile haben wir abgelegt; von der Minderwertigkeit der Reserve-Offiziere, und der militärischen Unbrauchbarkeit der Juden.'4 Es wurde dafür gesorgt, von Anfang an, daß das Feuer unter dem Kessel ihres Ehrgeizes nicht geringer wurde. Man hat sie schwer gehandikapt, vom ersten Tage des Krieges an, und trotz, vielleicht wegen ihrer Leistungen, .von Tag zu Tag mehr. Wir sprechen es in tiefer Scham aus, nicht in Scham für unser Judentum, sondern für unser Deutschtum, daß undeutsches Wesen unsere Jungen — nicht überall, aber furchtbar häufig — kränkte und beleidigte, in ihren heiligsten Empfindungen erkältete und zum Übermaß stachelte. Ich sage mit vollem Bedacht: undeutschos Wesen! Denn dem Deutschen galt immer für einen Ne iding , wer de n Waffenbruder schmähte, dessen Blut mit dem eigenen in eins zusammengeflossen war. Als das schöne Kaiserwort gesprochen wurde, daß es fortan nur noch Deutsche gebe, blieb ein Teil des deutschen Volkes kalt und un-. gerührt, der herrschende Stand Preußens. Daß er stand und focht, brav wie je, der alte tapfere Kriegeradel, verstand sich von selbst, und es soll wahrlich nicht verkleinert werden, was er geleistet hat. Auch uns ist der Name Hindenburg ein Palladium. Aber von dem „neuen Geist" im Reiche wollte er nichts hören. Seine herrschende Stellung war gefährdet, war verloren, wenn im neuen Deutschland das ganze Bürgertum, auch die Juden,, wenn gar die Arbeiterschaft zu voller Gleichberechtigung vollwertigen Bürgertums aufstieg. Und so bremste er von Anfang an und goß sein Wasser in den Wein der nationalen Begeisterung. Als Soziologe hatte ich es nicht anders erwartet: jede Gruppe wehrt sich