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Neue jüdische Monatshefte · 1917-09-10 · Heft 23-24 (10.9.1917) · p. Seite 700

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 23-24 (10.9.1917)
Article
Streiflichter über jüdische Religion und Wissenschaft
Date
1917-09-10
Page
Seite 700 (sequence 2)
Language
German
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700 .In diesen beiden Forderungen unterscheidet sich die Religion, als Monotheismus, von allen Abarten, die den Anschein der Religion annehmen, insbesondere vom Pantheismus. Wenn nämlich Gott immanent gedacht wird in allem, was Natur ist, vorzugsweise daher auch im Menschen, so braucht der Mensch keinen Zwiespalt mit Gott, an dessen Sein er ja Anteil hat, anzuerkennen. Noch weniger aber kann er die Versöhnung mit Gott, die er nicht erst anzustreben hat, als ein Ergebnis seines Strebens anerkennen. ' Es gibt da keinen Widerstreit zwischen Gott und Mensch, und so ist auch die Versöhnung mit Gott kein Ziel des Menschenlebens. Die Religion ist Monotheismus, und dies will sagen: Gott ist nicht nur Einer, der eine Mehrheit ausschließt, sondern er ist einzig. Sein Sein ist das einzige Sein, und alles andere Sein, die Natur, wie der Mensch, können ihr Sein, ihre Abart von Sein nur aus dem einzigen Sein Gottes herleiten. Gleichheit oder gar Identität zwischen Natur und Gott, und so zwischen Mensch und Gott ist Aberwitz, ist Mißverstand des Begriffs vom Sein. Und dieser Mißverstand wird zum Frevel, wenn es sich nicht mehr allein um die Metaphysik des Seins handelt, sondern um die Ethik, um den Unterschied von Gut und Schlecht. Der Pantheismus nivelliert diesen Unterschied. Die Einzigkeit Gottes dagegen gewährleistet die Vorherrschaft des Guten auf Grund seiner Scheidung vom Schlechten Und aus der Scheidung zwischen Gut und Sehlecht erst begründet sich die Scheidung in ihren letzten Tiefen zwischen Wahr und Falsch. Der Mensch ist zum Guten geschaffen, und auf das Gute hin ist seine Aufgabe, mithin sein Streben gerichtet. Aber dem Guten widerspricht in den Erscheinungen des Menschen das Schlechte, wie dem Wahren das Falsche. Wie sein endlicher Geist dem Falschen zum Opfer wird, so auch sein endliches Streben dem Schlechten. Es liegt in der Natur seiner Abart des Seins, seines Mangels, seiner Endlichkeit, daß er am Schlechten Anteil nimmt, ebenso wie am Irrtum. Es steht keineswegs so, daß er nur an dem Schlechten Anteil hätte; er ist keineswegs böse nach seiner Natur, cL i. nach seiner göttlichen Aufgabe; aber wie er keine Identität mit dem göttlichen Sein hat, so hat er daher auch keine Identität mit dem Guten; ebensowenig, wie mit der Wahrheit. Und dennoch ist die Wahrheit seine Aufgabe und sein Ziel, und ebenso das Gute. Er wird schlecht, aber er ist niemals böse; denn er bleibt immer das Geschöpf Gottes, der der Urheber und der Bürge des Guten auf Erden ist. Aus dem reinen Monotheismus allein konnte das reine Problem der Erlösung zur Entwicklung gelangen, wie der Tag der Erlösung, diese Höchstgestalt des Judentums, sie vollzogen hat. In der Sprache des Deuteronomiums könnte man sagen: Wo ist ein Volk, das einen Tag der Versöhnung hat? Und wenn es noch eines geschichtlichen Beweises bedurfte, daß die Pharisäer echte, wenngleich einseitige Fortsetzer der Propheten sind, so hat der Tag der Versöhnung diesen Beweis erbracht; denn die Pharisäer, die Weisen des Talmud haben aus

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