Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 23-24 (10.9.1917)
- Article
- Polnisches Freiheitspatent - Jüdische Rechtlosigkeit
- Date
- 1917-09-10
- Page
- Seite 664 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2908689-2908690-2908713-2910148--1065-2910179- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
664 gesonnen sind, der stärksten, in ihrer Mitte lobenden Minorität bitterstes Unrecht anzutun. In einer Zeit, in der alle Staaten gleichmäßig das Recht der kleinen Nationen betonen und in der der brutale Machtstandpunkt allgemeine Verurteilung findet, wird man sich auch der Juden erinnern. Und daß man sie nicht vergißt, dafür wird in allen Ländern durch die Stammesgenossen der Bedrängten gründlich gesorgt werden. Wir sind also ganz ohne Sorge bezüglich des endlichen Ergebnisses der Verhältnisse in Polen selbst. Man möchte aber nicht, und zwar im Interesse des in seinem Kern zweifellos ehrenhaften und hochstehenden polnischen Volkes, wie im Interesse der jüdischen Minorität in Polen, daß es zu einer Austragung der Gegensätze vor dem internationalen Forum, kommt. Wir haben stets den Frieden gewünscht, haben einen Ausgleich der Bevölkerungsteile auf dem Wege der Verständigung für angebracht und notwendig erachtet und würden es auf das tiefste beklagen, wenn es nicht möglich sein sollte, in den Leitern Polens ein Verständnis für die Notwendigkeit friedlichen und frcund- liehen Zusammenlebens mit den Minoritäten zu erwecken. Unser innigster Wunsch besteht darin, daß ein Ausweg gefunden werden möge. Nur wehrlos — das muß nachdrücklich betont werden — i s t d a s Judentum nicht, heute nicht mehr! Wir schließen uns durchaus dem Appell an, den, wie die amerikanische Presse berichtet, der englische Dichter Israel Zangwill im August 1017 an die Polen richtete. Er sagt dort: „Es ist notwendig, daß die kleinen Nationalitäten in Polen als nationale Minderheiten behandelt werden. Sie müssen genau dieselben Hechte genießen wie die Majorität, und hierzu ist es am zweckmäßigsten, das von Renner für Österreich ausgearbeitete System anzuwenden. Ich weigere mich zu glauben, daß die Polen, die darum kämpfen, ihr nationales Leben und die nationale Seele zu erhalten, jene Seele, die stets eine der edelsten in der Geschichte gewesen ist und die so oft für die Freiheit anderer Nationalitäten gekämpft hat, jetzt nicht mitfühlen sollten mit dem tragischen und langduldenden jüdischen Volke. Ich hoffe, das Ende des Krieges werde Polen und Juden Hand in Hand arbeiten sehen, um ein neues Polen aufzubauen, das nicht allein die Sympathien der Menschheit mit sich trägt, sondern auch ihre Träume und Hoffnungen.44 Zur Frage der staatlichen Anerkennung der jüdischen Nationalität in Österreich Von Dr. Max Rosenfeld, Przemysl ^ie österreichische administrative Gesetzgebung führt die Nation nicht als Rechtssubjekt ein, sondern — wie der bekannte Theoretiker der Nationalitätenfrage, Dr. Karl Renner, mit Recht hervorhebt, als Objekt staatlicher Fürsorge, als unausgesprochenen Destinatar von Ein-