Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 23-24 (10.9.1917)
- Article
- Polnisches Freiheitspatent - Jüdische Rechtlosigkeit
- Date
- 1917-09-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Zeitschrift für Politik, Wirtschaß und Literatur in Ost und West Erscheint zweimal im Mona! unter Mitwirkung von Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Hermann Cohen / Alexander Eliasberg Dr. Adolf Friedemann / Geh. Jusfizrat Dr. Eugen Fuchs Prof. Dr. Franz Oppenheimer iMmiinmiiiiimimiitmimimmmimmtuiiiiim I. Jahrgang 10./25. September 1917 Heß 23/24 iimmHiiiiiiiiimimimniiiiiiiiiiniiiiiiiiimiiu Diese Zeitschrift ist ein offener Sprechsaal für Jedermann. Für den. Inhalt der Artikel übernehmen die Autoren selbst die Verantwortung Polnisches Freiheitspatent - Jüdische Rechtlosigkeit Von Dr. A d o 1 f Friede mann, Berlin ^A^uf die Proklamation vom 5. November 11)16, die eine völlige Wendung der Polenpolitik der Mittelmilchte ankündigte, ist Q^CS nunmehr die Erklärung' vom 15. September erfolgt. Ihr Inhalt ist aus den Tageszeitungen zur Genüge bekannt, und auch die Betrachtungen, die sich öffentlich und privatim an dieses Vorgehen knüpften. Für die Juden der ganzen Welt bedeutet sie eine herbe %-nttäuschung. Nachdem bereits am 1. September 1917 das Gerichtswesen in polnische Hände übergegangen ist, folgt zum 1. Oktober nun auch das Schulwesen. Die wenigen Worte in der neuen Verordnung über die Juden, sind gleichgültiger Natur. Ein paar religiöse Sicherungen, die nicht einmal die primitiven Bedürfnisse der strenggläubigen Mehrheit befriedigen können, Bezahlung des Profan-Unterrichts in den Glieder- und Talmud-Thora-Schulen, solange nicht alle Kinder jüdischer Konfession öffentliche Schulen besuchen können, Schulen mit Sabbathheiligung auf Antrag der Eltern, — das sind so ziemlich alle erwähnenswerten „Vergünstigungen", die man für die Juden 'hat herausschlagen können, für diese Juden, die 15 Prozent der Gesamtbevölkerung Polens ausmachen, und die so oft laut und nachdrücklich ihre Wünsche in beziig auf die Wahrung ihrer kulturellen Eigenart und ihrer völkischen Besonderheit kundgegeben haben. 1. Die deutsche Politik in Polen ist manchen Schwankungen unterlegen, und nach ihrer jeweiligen Orientierung hat auch die bezüglich der Juden verfolgte Richtung gewechselt. Das ist vielleicht selbstverständlich, denn die Zeiten ändern sich, und während eines Krieges von weltenerschütternder Bedeutung ist es für den Eroberer schwierig, stets