Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 22 (25.8.1917)
- Article
- Streiflichter über jüdische Religion und Wissenschaft
- Date
- 1917-08-25
- Page
- Seite 655 (sequence 4)
- Language
- German
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655 welche zur Mißdeutung des biblischen Fremdengesetzes mißbraucht wird, hier nach richtiger national-ökonomischer Auffassung erklärt wird. Ebenso wird auch die Opfergesetzgebimg Jechcskols, die der einseitigeia Beurteilung als lediglich reaktionär erscheint, mit ihrer großen ethischen Reform für die Seelsorge des Individuums, in Einklang gesetzt. Echte Wissenschaft, echte methodische Philosophie kann immer nur zum Echten und Wahrhaften der Religion hinführen. Die Wahrheit unserer Religion besteht in unserer Weltreligion. Weltreligion aber kann nur die Religion der reinen Sittlichkeit sein. „Denn wo ist ein großes Volk, das solche Satzungen und Rechte hat?". Diesen Wegweiser für unsere Religion hat das Deuteronomium aufgerichtet. Und an ihm lassen wir uns nicht irremachen durch kein anderes Leitwort. Unsere Religion besteht in unserem reinen Monotheismus. Und der reine Monotheismus wurzelt in der reinen Menschenliebe, als der Liebe zu den Kindern des einzigen Gottes,- die sie allesamt sind, und er gipfelt im universalen Messianismus. ODE©©©®©© Umschau 0300030(100013 Notizen zur Gemcindcpoliiik 1. Krisis in der Berliner Gemeinde. Die konservativen Mitglieder der Berliner Repräscntantenversaramlung haben ihre Ämter endgültig niedergelegt. Zu den Gründen, die sie hierzu veranlaßt haben und die auf rein religiösem Gebiete liegen, soll hier nicht Stellung genommen werden. Immerhin ist eine Untersuchung der Frage von Interesse, ob — die Gewichtigkeit der Gründe unterstellt — die Niederlegung der Mandate geboten war. Die jetzt aus dem Amte geschiedenen Repräsentanten waren sämtlich auf Grund eines Wahlkompromisses gewählt. Bei diesem Kompromiß hatten die Konservativen die Minderheit, die Liberalen die unbedingte Mehrheit. Mit ihrer Minderheit und damit mit ihrem Mangel an Macht mußten die , Konservativen also von vornherein rechnen; sie mußten auch darauf gefaßt sein, daß die Liberalen in der Lage waren, ihr zahlenmäßiges Übergewicht voll auszunutzen, sobald es ihnen paßte. Wenn die Konservativen dennoch auf ein Kompromiß eingegangen waren und sich an der Gemeindeverwaltung beteiligt hatten, so konnten sie dabei nur von dem Bestreben geleitet sein, einmal sich von der praktischen Mitarbeit nicht gänzlich ausschließen zu lassen und sodann — und dies ist wohl die Hauptsache — die konservativen Anschauungen und Auffassungen wenigstens zu Gehör zu bringen und dadurch manches zu verhindern. Dies waren ihre selbstgewählten Pflichtposten. Diese Posten zu verlassen, lag keine Veranlassung vor. War es nötig, scharfe Mittel zum Protest gegen die Beschlüsse der Mehrheit anzuwenden, so mußte das schärfste zulässige parlamentarische Mittel ausreichen: die Verweigerung des Budgets. Der Verzicht darauf, in der Versammlung in Zukunft Gehör zu finden, ging über das notwendige und politisch zulässige Maß des Protestes hinaus. Der Fehler, der hierbei begangen ist, fällt aber nicht so sehr den Repräsentanten als dem System zur Last. Daß auch konservativen Repräsentanten einmal die Gallo übergehen kann, wenn sie wehrlos und machtlos der Verletzung ihrer politischen Anschauungen und religiösen Überzeugungen gegenüberstehen, ist menschlich zu begreifen. Die bei uns leider üblich gewordenen Kompromisse führen aber unfehlbar zu diesem Ergebnis. Die Kompromisse werden zumeist zwischen Personen abgeschlossen und sind auf die Namen von Personen gestellt, wenn aufch die sachlichen Gegensätze von liberal und konservativ dabei eine ]{<|!Ie^>pie.Ien. Viel zweckmäßiger wäre V?ei dem