Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 22 (25.8.1917)
- Article
- Zurück zur Scholle
- Date
- 1917-08-25
- Page
- Seite 651 (sequence 5)
- Language
- German
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65t hültnisrnäßig großen Gewinn bedeuten würde, wenn es gelänge, den jüdischen Viehhändler auch zum jüdischen Viehzüchter und Landwirt zu machen. Die Entwicklung, die dieser Gedanke nehmen wird, sollte von allen interessierten jüdischen Stellen aufs sorgfältigste beobachtet werden. * In beziig auf die Erziehung jüdischer junger Leute zur Bodenkultur sind wir über die ersten Versuche schon längst hinaus. Es ist das Verdienst der durch den verstorbenen Konsul Simon in Hannover ins Leben gerufenen oder aus seiner Stiftung gegründeten Institute, hier bereits seit einer Reihe von Jahren Vorbildliches zu leisten. Die „Israelitische Erziehungsanstalt Ahlem" (unmittelbar vor den Toren Hannover-Lindens) und das „Lehrgut Steinhorst" (bei Celle) dienen der Ausbildung jüdischer Gärtner und Ackerbauer. Während Steinhorst erst einige Jahre, allerdings mit gutem Erfolg, arbeitet, besteht Ahlem schon längere Zeit und erfreut sich in weiten Kreisen des deutschen Judentums großer Beliebtheit *). Hingewiesen sei noch auf eins. Es wäre zu erwägen, ob nicht die jüdische Waisenpflege, der während des Krieges und mehr noch nach dem Kriege erhöhte Aufgaben zufallen werden, nicht systematisch alle jüdischen Kriegswaisen, die Lust dazu haben und deren Anlagen Erfolg versprechen, in der Landwirtschaft erziehen sollte. Eine große Anzahl der jüngeren Schüler in Ahlem wird dieser Anstalt zugeführt, ohne aber später in den gärtnerischen Beruf einzutreten, während ihnen bereits die Ahlemer Schule sowohl im Gartenbau wie in der Handfertigkeit weitgehende praktische Kenntnisse vermittelt. (Schulgärten, Werkstättenarbeit!) Es wäre gewiß wünschenswert, wenn man unsere Kriegswaisen statt in die jüdischen Waisenhäuser der Großstädte nach Ahlem brächte. Ginge dann Hand in Hand damit eine Vorsorge für die spätere Existenzmöglichkeit dieser Knaben und Mädchen im erlernten landwirtschaftlichen oder gärtnerischen Beruf, so hätte die jüdische Gesamtheit nicht nur ihren Dank an die gefallenen Väter in vorbildlicher Weise abgestattet, sondern auch der Bodensässigkeit eine sehr wesentliche Förderung angedeihen lassen. Gedanken über das Judentum Von Adolf Stand, Wien WTer war unser größter Wohltäter? Der uns hineinwarf ins Ghetto, oder der es sprengte? Die jüdische Moderne ist eine Pcndelbewegung zwischen Ghetto und Zion. Ein Volk, dessen Kinder es hassen, verachten, verleumden, verlassen, steht vor der Auflösung. Oder vor der E r 1 ö s u n g. *) Material über Ahlem und Steiniiorst stellt die Verwaltung der „Alexander und Fanny Simonsohn-Stiftung'1, Hannover, Ägidientsplatz, Hansahaus, jedem gern zur Verfügung.