Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 22 (25.8.1917)
- Article
- Zurück zur Scholle
- Date
- 1917-08-25
- Page
- Seite 647 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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......................_........_..... ..........._..................._......_........... _ ' ■ 647 Zurück zur Scholle Von C. Z. Klötzel, im Felde |£pOTöit längerer Zeit hat sich die Aufmerksamkeit der jüdischen pS*^ Öffentlichkeit in immer steigenderem Maße der Frage der Be- (Q&iß rufswahl zugewandt. Die wachsende Überfüllung der akademischen Berufe, die längst ein besonders zahlreiches jüdisches Geistesproletariat herangezüchtet hat, die zunehmende Schärfe des Lebenskampfes für die große Masse der kaufmännischen Angestellten und der unterirdische oder offene Antisemitismus, der in vielen Zweigen beider Berufskategorien herrscht, verringern die Konkurrenzfähigkeit der Juden immer mehr und machen eine Umgruppierung der jüdischen Kräfte im Wirtschaftsleben vom ökonomischen Standpunkt aus sehr wünschenswert. Freilich wird man sich von vornherein nicht verhehlen können, daß eine willkürliche Veränderung dieser ungünstigen Kräfteverteilung wohl zu den schwersten Aufgaben gehört, die eine soziale Gruppe sich stellen kann, die völlig auf jedes politische Machtmittel verzichten, und fast alles, was zu geschehen hätte, der. privaten Initiative überlassen muß. Denn beim gegenwärtigen Zustand des deutschen Judentums, der an Formlosigkeit und Unfruchtbarkeit gegenüber Aufgaben für organisierte Kräfte vergeblich nach einem Seitenstück sucht, ist es ganz ausgeschlossen, daß in kurzer Zeit die Grundlage für eine großzügige, einheitliche Organisation geschaffen werden könnte, wie sie nötig wäre, um die wirtschaftliche Struktur von GOO Ö00 deutschen Juden von Grund auf zu ändern. Man wird sich also hier wie in so vielem anderen damit bescheiden müssen, in engen Grenzen und mit beschränkten Mitteln kleine Erfolge zu erringen, wo ein Zusammenfassen aller vorhandenen Kräfte zu real- .politischen Handeln notwendig wäre. Von diesem Gesichtspunkt aus sind die Bestrebungen der sehr rührigen und gutgeleiteten „Hauptstelle für Berufsberatung der Juden" zu werten, die sich diejenige Aufgabe gestellt hat, die als die grundlegende, wenn auch nicht ausschlaggebende, betrachtet werden kann: der vor der Wahl eines Berufes stehenden jüdischen Jugend mit ihrem auf genauer Kenntnis aller einschlägigen Verhältnisse fußenden Rat zur Seite zu stehen. Sie hat sich in einigen recht wirkungsvollen Veröffentlichungen an die jüdische Öffentlichkeit gewandt, und befürwortet dringend die Abkehr von den freien Berufen und vom Handel und das Hineinströmen der jüdischen Jugend in die Beamtenlaufbahn, in den industriellen Kleinbetrieb, ins Handwerk, vor allem aber in die landwirtschaftlichen Berufsarten. Das Wort von der „Rückkehr zur Scholle" war bereits vor dem Kriege bei den deutschen Juden sehr populär. Leider hat an dieser Beliebtheit ein Argument den Löwenanteil, gegen das nicht scharf genug angekämpft werden kann. Man verlangte die Rückkehr zum Handwerk und besonders zur Bodenkultur als eine Parade gegen den antise-