Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 22 (25.8.1917)
- Article
- Glaube und Heimat
- Date
- 1917-08-25
- Page
- Seite 641 (sequence 13)
- Language
- German
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641 In dorn Zusammenwirken der Kräfte wird der richtige Weg gefunden werden. Insoweit es sich um die Wahrung der staatsbürgerlichen und gesellschaftlichen Stellung der Juden in Dcutsch 1 a nd und um die Vertretung aller den deutschen Juden gemeinsamen Interessen handelt, haben wir im Zentralverein und im Verbände bereits bestehende Organisationen. Daß Bodenheimers Auffassung, der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens treibe im wesentlichen Assimilationspolitik, nicht richtig ist, ergibt dessen Betätigung in der Schächtfrage, bei der Unterstützung der K.-C.-Verbindungen, der jüdischen Jugendvereine, der jüdischen Berufsberatung und in zahllosen anderen Fragen, wo von Assimilation keine Rede ist. Bei der engen Verbindung zwischen Verband und Zentralverein wäre es auch ganz ausgeschlossen, daß hier eine andere Politik wie dort getrieben wird. Für die Betätigung der Zionisten zur Wiederbelebung des Judentums vorerst im deutschen Vaterlande und rückwirkend auf das gesamte Judentum stehen Verband und Zentralerem offen. Introite, nam et hie Dii sunt! Archiv für jüdische Wirtschafisfragen Ein Vorschlag von Heinrich M a r g u 1 i e s , z. Z, im Felde I. D i e A u f g a b e. jüdische Volk bedarf heute der synthetischen, zusammenfassenden Begabungen ungleich dringender als irgendein anderes: denn bei seiner haltlosen Zerstreuung über sämtliche Erdteile ist die Gefahr einer Äbsplitterung und Verflüchtigung der einzelnen Teile nur zu groß. Der Organismus verlor längst seine Einheit und Unteilbarkeit und löste sich in Gruppen auf, die, eine jede für sieh» weiterbestehen und ein selbständiges Leben auf eigene Faust führen. Ein Zustand, der natürlich mit Notwendigkeit zu einer völligen Atomisierung und Auflösung führen muß, wenn nicht dieser Entwicklung durch stärkere Gegentendenzen Einhalt geboten wird. In der Geschichtschreibung ist diese Gefahr schon deutlich zum Ausdruck gekommen: mit ganz verschwindend geringen. Ausnahmen, die, wie Dubnow, übrigens alle der jüngsten Zeit angehören, haben wir nur eine'a n a 1 y t i s c h e Geschichtschreibung, eine Aufzählung und Aneinanderreihung einzelner Dinge und Geschehnisse, ohne daß sich diese im Nebeneinander zu jener sinnvoll einheitlichen Harmonie verbinden würden, die eben das Merkmal der Geschichte bildet. Wir besitzen noch keine einzige „Geschichte des jüdischen Volkesu, die unter dem leitenden Gesichtspunkt einer einheitlichen Idee entstanden wäre, keine einzige wirklich nationale, d. i. geschichtsphilosophische Darstellung und nur wenige tastende Versuche hierzu, wir haben nichts, was über den Charakter von Berichten über nach Zeit und Raum abgesprengten und isolierten Teilgebieten hinausginge. Dieses gefahrvolle Überwiegen der analytischen Betrachtung und Behandlung macht sich auf dem Gebiete der praktischen Volks - arbeit natürlich nicht minder hemmend und schädlich fühlbar. Unter