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Neue jüdische Monatshefte · 1917-08-25 · Heft 22 (25.8.1917) · p. Seite 630

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 22 (25.8.1917)
Article
Glaube und Heimat
Date
1917-08-25
Page
Seite 630 (sequence 2)
Language
German
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630 1. Bei der Begründung des Verbandes, der zuorst nur als ein allgemeiner deutscher Judentag gedacht war, schließlich aber auf meine Anregung durch Zusammenschluß der bestehenden jüdischen Organisationen zu einer dauernden Gesamtvertret.u ng der deutschen Juden auf autonomer Grundlage ausgestaltet wurde, bestand ich immer darauf, daß auch den Zionisten im Verbände eine Vertretung eingeräumt werde, und daß auch zionistische Führer in den Ausschuß gewählt werden sollten. In den Ausschuß des Verbandes sind denn auch Zionisten gerade um ihrer Zugehörigkeit zur zionistischen Partei und um ihrer führenden "Stellung in derselben berufen worden und sind dort noch tätig. Daß der Verband „eine mittlere Linie durch Zusammenfassung aller Parteirichtungen und religiösen Schattierungen verfolgt*4, wird auch von Zionisten anerkannt2). 2. Auch im Zentralverein .deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, von dem Bodenhoimer sagt, daß er im wesentlichen Assimilationspolitik treibe, haben Zionisten und Nichtzionisten in den Abwehrkämpfen und Bestrebungen um die Wiederbelebung des Judentums Jahr und Tag zusammen gearbeitet. Als im Anschlüsse an Sombarts Vorträge und seine Schrift über die Zukunft der Juden sich zuerst die Gegensätze fühlbar machten, habe ich zur Einigkeit und gemeinsamer Weiterarbeit im Zentralverein gemahnt. „Um sein — des Zentralvereins .— Banner können und sollen alle Juden sich scharen, ohne Unterschied ihrer religiösen und politischen Richtung, mögen sie freisinnig oder rechtgläubig, zionistisch oder nichtziqnistisch sein .... Sehen Sie mehr auf das, was uns eint, als auf das, was uns trennt. Ob die Juden noch Volk, Nation, Rasse oder nur eine soziale und religiöse Gruppierung sind, ob es möglich sein wird, ein jüdisches Zentrum zu bilden, das nicht bloß den heimatlosen östlichen Juden eine Heimat bereitet, sondern allen Juden der ganzen Welt Vorbild und Hoffnung für die Zukunft sein wird, ob es wahr ist, daß der jüdische Geist zurzeit heimatlos ist und eine Heimat erst gefunden haben wird, wenn eine reale Heimstätte für das Volk gefunden sein wird, darüber mögen die Meinungen auseinander gehen. Die Zionisten erhoffen es, die Nichtzionisten glauben nicht daran. Aber diese Differenzen dürfen uns in unserer Streitgenossenschaft nicht trennen, nicht dazu bringen, das Banner zu verlassen, das der Zentralverein aufgestellt hat, um die zu sammeln, denen es ernst darum zu tun ist, hier auf dem Boden des deutschen Vaterlandes unsere volle Gleichberechtigung zu erringen. „Wir wollen .... vereint marschieren, wenn auch in weiter Ferne die Wege auseinandergehen 8) . . . ." 3. Leider haben sich diese meine Wünsche nicht erfüllt. Die Gegensätze haben sich verschärft. Sie haben in der Versammlung vom 30. März 1913 zu der meinem Fassungsentwurf im wesentlichen entsprechenden Resolution geführt, in der der Zentral verein erklärte, daß wir die deutsche Judenfrage nicht international lösen, und von dem 2) M. J.*Bodenheimer in „Der Jude", 1016/17, Seite 695. 3) „Im Deutschen Reich" (I. D. R.) 1912, Seite 405,

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