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Neue jüdische Monatshefte · 1917-08-10 · Heft 21 (10.8.1917) · p. Seite 622

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 21 (10.8.1917)
Article
Grundsätzliches zur deutschen Judenfrage
Date
1917-08-10
Page
Seite 622 (sequence 10)
Language
German
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622 ist. Denn auch, wenn der Jude verschwunden ist, die jüdische Art ist vermutlich — es gibt hierfür schon Beweise genug — zäh genug, um auch in den als solche meist nicht mehr ohne weiteres erkennbaren Mischindividuen und ihren Abkömmlingen fortzuwirken. Die Zähigkeit des Jüdischen, sein Fortleben in immer neuer Verquickung mit anderem Wesen, sein Sichbehaupten im Sichselbstaufgeben — das ist die Grundtatsache der jüdischen Geschichte, das formale Element, aus dem die buntwechselnde Mannigfaltigkeit des materiellen jüdischen Geschehens begriffen wird. Auch der Politiker und gerade er, der an der gegenwärtigen jüdischen Geschichte wirkt, muß hiermit rechnen. Auch im assimiliertesten einzelnen Juden, der innerlich wie äußerlich einem echten Deutschen gleicht, lebt noch das Jüdische, das Besondere; in der deutschen Physiognomie wirken die alten Aliasverzüge um so befremdlicher. Und auch im Zustande der vollendeten Assimilation, wenn die letzten deutschen Juden getauft sein und das Konnubium mit deutschen Christinnen eingegangen sein werden, wird noch jenes Grundelement walten, nur schemenhaft und umrißlos, gespenstig und unheimlich, weil nicht mehr verkörpert in jüdischen Individuen. Das Jüdische ist in der Welt, uralt und unauslöschlich. So müssen die nichtjüdische Welt und auch die Juden selbst sich damit abfinden und trachten, das beiderseitige Verhältnis möglichst harmonisch und förderlich zu gestalten. Diese Formel verbürgt freilich keine „Lösung" der Judenfrage im Sinne eines fixierten Friedenszustands zwischen ehemals feindlichen Faktoren; aber eine labile Harmonie, die sich in allen den unzähligen VerquickungsVerhältnissen des praktischen Lebens zwischen den ungleichen Elementen bei beiderseitigem guten Willen, politischem Sinne und Wahrhaftigkeit immer von neuem herstellt. Eine andere „Lösung" der Judenfrage gibt es nicht. Wie läßt Achim v. Arnim in „Halle44 seinen Cardenio zu Aha sv er sprechen, der das völlige Aufgehen des jüdischen Volks ins Christen- und Europäertum als nahe bevorstehend erwartend, selbst in Gesinnung und Sprache schon völlig den Christen und Europäer zur Schau trägt? „Sag mir,'warum ihr Juden nicht mehr sprecht wie Juden? Ich trau auch jetzt viel weniger als sonst....." Ägypten (Aus dem Zyklus „Im Lande") Von D. Frischmannn SY^^airo! Ich durchstreife einsam die Straßen dieser wunderbaren Bifw Stadt und lasse keinen versteckten Winkel unentdeckt. Bald jjJL@a2 zeigen sich große, breite Straßen, bald enge, schmale Gäßchen, bald Pracht, Lärm und Prunk, bald wieder öde Stille und unheimliche Verlassenheit. Da ist das neue Kairo in seiner gleißenden Schönheit, mit seinem Komfort und allen modernen Lebensgenüssen, dort das alte

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