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Neue jüdische Monatshefte · 1917-08-10 · Heft 21 (10.8.1917) · p. Seite 614

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 21 (10.8.1917)
Article
Grundsätzliches zur deutschen Judenfrage
Date
1917-08-10
Page
Seite 614 (sequence 2)
Language
German
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614 Leistung. Nicht nur Hindenburgs, Zeppelins, Havensteins, Bölckes, sondern auch Rathenaüs, Ballins, Rießers, Habers, Franks Köpfe gehören in die deutsche Ehrengalerie dieses Krieges. Freilich — „unsere bedeutenden Genentie sind keine Juden . . .?" Aber unsere unbedeutenden auch nicht . . .! Daß die Leistung entscheidet und nicht die Herkunft, die Rasse, die Art; ist aber nicht eine Kriegswahrheit, die etwa mit Eintritt des Friedenszustandes wieder ihre Geltung verlöre. Der Ausgang des Krieges, mag er sein wie immer, wird die Gesamtheit vor Aufgaben von unerhörter Neuheit und Dimension stellen. Die Aufgaben sind gewaltig gewachsen, die Kräfte aber gewaltig geschwunden. Der Krieg hat so viele tüchtige Männer verschlungen. Die Kriegswirtschaft ist in die Friedenswirtschaft überzuleiten. Milliarden sind für Verzinsung und Tilgung der Kriegsschulden, für Deckung der Kriegsschäden und Kriegsrenten aufzubringen. Weite, bisher der persönlichen Freiheit vorbehaUcne Gebiete sind unter öffentlicher Kontrolle zu nehmen; die Zahl der unmittelbar im Dienste der Gesamtheit stehenden Personen wird sich in nie dagewesenem Maße steigern, ebenso die Anforderungen an die persönliche Tüchtigkeit und Initiative jedes Einzelnen. Gute Manieren, die Kenntnis der administrativen Formen und die übliche Dosis gesunden Menschenverstandes, ein bestandenes Examen, außerdienstliches Wohlveitialten, monarchische Gesinnung — mehr denn früher wird es Ämter geben, die noch mehr verlangen als diese traditionellen Beamtentugenden, Nur die Erfordernisse des Amts wird der Staat bei Besetzung derartiger Ämter im Auge haben dürfen, nicht die üblichen Nebenzwecke, die Alimentation bevorzugter Kreise, die Belohnung erwünschter Gesinnung. Das deutsche Volk hat schon jetzt manche Erfahrung darüber sammeln können, wie teuer der Gesamtheit solche auf ihre Kosten verfolgten Nebe n zwecke zu stehen kommen, unter denen der Zweck selbst leidet. Die kommenden Zeiten aber werden hart sein und luxusfcindlich; der Luxus wird dem Notwendigen weichen müssen. Kostspieliger Luxus ist die Hintansetzung eines für ein Amt geeigneten Anwärters hinter einem weniger geeigneten, der vorgezogen wird, weil er einer erwünschten Rasse oder Klasse angehört. Das allgemeine Rechtsbewußtsein und die Staatsgesinnung muß sich dahin entwickeln. Die Forderung der Umwandlung des Obrigkeitsstaats in den Volksstaat schließt in sich auch die Forderung, daß der herrschende Absolutismus der Verwaltung bei der Stellenbesetzung durch eine entsprechende Mitwirkung des Volkes, durch konstitutionelle Garantien beschränkt werde, daß die Stellenbesetzung öffentlich kontrolliert werde. Das Recht der Krone, die Beamten zu ernennen, wird dadurch nicht angetastet, freilich aber die Macht derer, die dieses Recht der Krone bisher ausgeübt haben. Es muß einen Mittelweg geben zwischen Stellenbesetzung durch unmittelbare Volkswahl und Stellenbesetzung durch obrigkeitliche Willkür, einen Mittelweg, der dazu führt, daß auf jeden Posten der jeweils Tüchtigste kommt. Die politische Judenfrage

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