Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 21 (10.8.1917)
- Article
- Die jüdische Wissenschaft und ihre psychologischen Aufgaben
- Date
- 1917-08-10
- Page
- Seite 606 (sequence 8)
- Language
- German
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606 das Zentralproblem der jüdischen Psychologie als vielmehr die Erkenntnis der komplexen psychischen Prozesse und deren objektiven Expressionen, ihre gegenseitige Abhängigkeit, ihre differentiellen Variationen, ihre Typik, ihre JEntwicklung, ihre Beziehungen zu sozialen Gegebenheiten. Darum wird weniger die sogenannte experimentelle Psychologie gepflegt werden, als vielmehr die mannigfaltigen Methoden der differentiellen und der idiographischen, der Völkerpsychologie und der Psychoanalyse (als des gegenwärtig einzigen Mittels zur tiefschürfenden Erfassung der affektiven und triebhaften Erscheinungen). Diese Methoden charakterisiert, daß sie nicht so sehr vieler Apparate und einzelner Forschender, bedürfen, sondern daß sie gefördert werden durch umfassende Materialansammlungen und ausgedehnte Arbeitsgemeinschaften sehr zahlreicher Mitarbeiter. Während jedoch die an der experimentellen psychologischen Forschung Beteiligten durchwegs reine Psychologen sein müssen, Männer, die ihre ganze Lebensarbeit der psychologischen Forschung widmen, erlaubt, verlangt geradezu hier die Methode die Mitarbeit geschulter Dilettanten, die organisiert und geleitet werden von einer Anzahl „reiner Forscher". In dieser Eigenart der Methode liegt ein merkwürdiges Zusammentreffen mit der materiellen und psychischen Situation des jüdischen Volkes. Und dieses Zusammentreffen gibt Hoffnung auf intensivste Wechselwirkung und Förderung. Fünf Nanicin von Männern wären zu nennen, die als erste oder doch mit als grundlegende den Mcthodenkrcis der jüdischen Psychologie, wie er oben gezeichnet wurde, ausgebaut haben: Hugo Münsterborg, dem die grundlegenden Untersuchungen zur Psychotechnik zu danken sind; W i 1 Ii a raStc r n , der in der differentiellen Psychologie die methodische Grundlage für die Probleme geschaffen hat, welche im Zontrum der jüdischen Psychologie stehen; Sigmund Freud, durch dessen Arbeiten die komplexen psychischen Prozesse der Kindheit und Jugend erst im tieferen Sinne wissenschaftlich verständlich wurden; Chaim Steinthal und Moriz Lazarus, die den Begriff und die Aufgaben der Völkerpsychologie mit bewunderungswürdigem Vorauseilen ihrer Zeit geprägt und umschrieben haben. Vielleicht ist es kein Zufall, daß sie alle Juden sind; jedenfalls wäre dies ein Zufall der seltenen, der glücklichen Art, Zur polnischen Judenfrage Von,*, Der nachfolgende Beitrag zur polnischen Judenfrage geht uns von national-jüdischer Seite als Erwiderung auf einen gleichnamigen Aufsatz in der „Europäischen Staats- und Wirtschaftszeitung" zu. D. Red. CT|{!5>)[n der Nummer 29 der „Europäischen Staats- und Wirtschaf tsiJM zeitung4' erschien ein liingercr Aufsatz „Ein Beitrag zur polni- 8®äSm sehen Judenfrage". Der Artikel, der anonym erschien, gelangte zugleich in der „Allgemeinen Zeitung des Judentums", im „Israelit" und