Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 21 (10.8.1917)
- Article
- Die jüdische Wissenschaft und ihre psychologischen Aufgaben
- Date
- 1917-08-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Zeitschrift für Politik, Wirfschaft und Literatur in Ost und West Erscheint zweimal Im Monat unter Mitwirkung von Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Hermann Cohen / Alexander Eliasberg Dr. Adolf Friedemann / Geh. Justizrat Dr. Eugen Fuchs Prof. Dr. Franz Oppenheimer jmmiiiiiiimmiiiiiiimmiiiiimiiimmiiimiiiitim I. Jahrgang 10. August 1917 Heft 21 jimiiiiiniiiimiminimiiiimiiiiiiitiimuiimnin Diese Zeitschrift ist ein offener Sprechsaal für Jedermann. Für den Inhalt der Artikel übernehmen die Autoren selbst die Verantwortung Die jüdische Wissenschaff und ihre psychologischen Aufgaben Von Dr. Siegfried Bernfeld, Wien ,an pflegt die Wissenschaft als die anationale oder übernationale geistige Bestrebung aufzufassen und jeder Versuch, sie einzubeziehen in das System nationalen Wollens und Denkens crcheint als Sünde gegen den Geist der Wissenschaft, als Rückständigkeit oder grotesker Chauvinismus. Und dies mit gutem Recht und dennoch ganz fälschlicherweise zugleich. Denn die Beziehungen zwischen Wissenschaft und nationalem Wesen sind keineswegs so einfach, wie man sie hinzustellen beliebt. Zwar ist es richtig: Was irgend an Resultaten oder vermeintlichen Resultaten festgestellt, was an methodischen Prinzipien erkannt, was an Erkenntniszielen formuliert wurde, ist allgemein gültig. Es verpflichtet die Wissenschaftler jeder Nationalität gleicherweise, es ist unabhängig von jeder außerwissenschaftlichen Tendenz, also erst recht von jeder politischen, nationalen. Es birgt in sich die Tendenz und die Fähigkeit gleicherweise in jedem Staat, bei jedem Volk, von jedem Menschen eingesehen, angenommen und zum grundlegend Bestimmenden gemacht zu werden. Die Wissenschaft, das ist das Streben der Menschen nach Erkenntnis, nach widerspruchsfreier Ordnung aller Dinge und Beziehungen, ist wahrhaft menschlich, sio ist übernational, wreil sie an sich unbedingt ist, vielmehr den Willen in sich trägt, alles andere zu bedingen, zu bestimmen. Aber die Wissenschaften sind vielfach bis in ihr Wesentliches hinein bedingt, getragen, gefördert und gehemmt von jenem1 innig verschlungenen Komplex wissenschaftlicher Zustände, psycho-physischer Eigenheiten und kultureller Traditionen und Potenzen, die wir in der Abbreviatur: Nation zusammenfassen. Wo, wie, wieviel und wie weit geforscht wird, das hängt von diesem Faktor ab. Was gesucht und was übersehen