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Neue jüdische Monatshefte · 1917-07-25 · Heft 20 (25.7.1917) · p. Seite 578

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 20 (25.7.1917)
Article
Judentum und Nationalismus
Date
1917-07-25
Page
Seite 578 (sequence 5)
Language
German
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57S tum, dorn zuentwachsen doch ihr Wesen war! Und also befindet sich der Jude, der nahezu sein ganzes altes Volkstum in Religion umsetzte, der nichts draußen behielt, der groß eben als Träger eines „Gottesvolkesu ist, in einer gefährdeten Situation, wie eine Pflanze etwa, die auf Kosten schützenden Blattwerks allen Stoff in eine unerhörte Fülle von Blüte und Frucht umgesetzt hätte. Aber diese tragische Situation ist die Ehre des Judenturas — und sie um jeden Preis, um den Preis des sinnvollen Lebens abschaffen wollen, wie es ein jüdischer Nationalismus täte, das wäre eine typische Philistertat!! Denn dies ist der Philister, der unbeseelte Mensch, der nicht begriffen hat, daß die tragische Situation die unablösliche Geburtsbedingung alles Großen auf Erden ist. Die nationale Schwäche des Judentums ist seine Tragik — aber das heißt nicht sein schnell zu behebendes Pech, sondern der große Preis für sein großes Schicksal! Will man ein Volkstum, dessen erhabenes Schicksal es war und ist, ganz in der Flamme einer menschheitlichen Idee aufzubrennen, dadurch „retten", daß man seine Lebensflamme löscht? — Die silberne Kugel, die der Springbrunnen ku wunderbarem Lichtspiel hochhebt und senkt, kann man auch auf eine kleine, grüne Stange spießen und dadurch vor dem Herunterfallen sicher stellen — aber dann tut sie keine Lichtwunder mehr. Grundsätzliches zur deutschen Judenfrage Von Dr. Sigbert Feucht wanger, München (Fortsetzung) III. Deutsche Judenpolitik, Wir haben das Übel der Unwahrhaftigkeit nun da beobachtet, wo os am greifbarsten in Erscheinung tritt, in der Presse, Deren verschiedene Richtungen aber sind typisch für die entsprechenden im deutschen Volke herrschenden Auffassungen. Die Unwahrhaftigkeit und unpolitische Denkweise beherrscht weiteste Volkskreise, Regierungen und Regierte, Christen und — Juden. Es handelt sich nun darum, detai Übel auf den Grund zu gehen, wobei uns das soeben gesammelte Anschauungsmaterial, das uns das Übel in den verschiedenen Formen zeigt, dienen muß. Eine Gemeinsamkeit der beobachteten gegensätzlichen Richtungen fällt auf: Sie alle gehen bei der Erörterung der jüdisch-deutschen (christlichen) Beziehungen von Anschauungen über jüdische Art, über das Wesen des Jüdischen, über die Unterschiede zwischen Jüdischem und Deutschem aus und knüpfen hieran ihre politischen Folgerungen, wobei natürlich, da die Anschauungen unüberbrückbar verschieden sind, keine Einigung über die Folgerungen erzielt werden kann. Darum ist die gegenseitige Auseinandersetzung über Judenpolitik meist so hoffnungslos unfruchtbar; denn es ist, als sprächen die Parteien verschiedene Sprachen und verstünden einander nicht. Für die einen sind die deutschen Juden Menschen und Bürger wie die deutschen Christen. Rechtlich stehe fest, daß die Juden nichts.

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