Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Monatshefte · 1917-07-10 · Heft 19 (10.7.1917) · p. Seite 560

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 19 (10.7.1917)
Article
Hagadah-Illustrationen von Josef Budko
Date
1917-07-10
Page
Seite 560 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2908689-2908690-2908709-2909940--0909-2909974
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

560 wurzelndes religiöses Empfinden durch Mittel künstlerischer Gestaltung zum Ausdruck zu bringen, nicht, indem er ein Bilderbuch ßchafft, das uns die einzelnen Szenen vor Augen führt und so dor Phantasie des Lesers zu Hilfe zu eilen sucht, sondern indem er das Ganze durch Schrift, Ornament und symbolische Andeutungen festlich schmückt und zu einer künstlerischen Einheit verbindet. Mit den bisherigen modernen illustrierten Bibeln z, B. hat Budkos Hagadah nichts gemein, sondern erhebt sich weit über den Rahmen alles bislang auf diesem Gebiete Geleisteten. Man muß diese feinen Blättchen im Zusammenhang mit dem Text betrachten, um den gedanklichen Reichtum vollauf zu erfassen und den durch eine minutiöse Technik bis in die Ideinsten Details mit beziehungsreichen Andeutungen gefüllten Kunstwerken das gebührende Verständnis entgegenbringen zu können. Wie die Hagadah selbst als ein abwechslungsreiches Gebilde von Erzählungen, Gebeten, Lobpreisungen und belehrenden Betrachtungen erscheint, so hat auch der Künstler die mannigfachsten Formen der Ausstattung gewählt und bildliche Darstellungen, Initialen und Ornamente zusammengemengt, wobei jedoch stete als das wichtigste Moment die buchtechnische Einheit und Geschlossenheit im Auge behalten wurde. Daher ist dem Ornament und der ornamentalen Schrift das Hauptgewicht beigelegt. Und gerade hierin leistet Budko Erstaunliches. Mit besonderem Feingefühl versteht or es, das Traditionelle in pietätvoller Weise zu wahren und künstlerisch zu gestalten. Sein in guter Schulung herangebildetes Stilgefühl und die Beherrschung der Technik gestatten ihm ein freies Schalten und Walten in dem Reiche seiner auf einer streng religiösen Basis und liebevollem Verstehen aufgebauten Phantasie. Vor allem nutzt er die Tektonik der hebräischen Buchstaben, die sich wie die Zeichen keiner anderen Schrift zu einer künstlerisch ornamentalen Wirkung gestalten lassen. Der Buchstabe selbst sqII nur durch seine starke Kontur und einfache Form sprechen, er hebt sich von einem reichgeschmückten, aber dennoch dezent zurücktretenden Hintergrund ab, der stets durch irgendeine symbolische Andeutung auf den betreffenden Text liinweist. So sind auch ganze Satzbilder zu einer Einheit verbunden, um besonders wichtige Stellen aus dem Ganzen her- . vorzuheben, Den Oimmentschatz schöpft der'Künstler aus überlieferten Formen, denen er aber eine moderne Fassung zu geben versteht. Auch in den Bildern lehnt er nicht jede Tradition ab, sondern läßt vielmehr ihren alten Geist in neuem Gewände wieder aufleben. So z. B. in den Vertretern der vier menschlichen Charakterbildungen, wo die Darstellung in die Initialen einbezogen worden ist, oder dem prächtigen Blatte des „Ho lachmoh anjoh" das den gesamten Text und vier winzige Bildchen zusammenschließt. Ist Budko in den bisher besprochenen Kategorien der verständnisvolle und fein abwägende Künstler, dem es darum zu tun ist, ein dem modernen Empfinden entsprechendes, buchtechnisch einwandfreies Werk zu schaffen, so zeigt sich in den größeren bildlichen Darstellungen das

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.