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Neue jüdische Monatshefte · 1917-07-10 · Heft 19 (10.7.1917) · p. Seite 557

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 19 (10.7.1917)
Article
Wilhelm von Humboldt in seinem Briefwechsel mit Juden und Jüdinnen
Date
1917-07-10
Page
Seite 557 (sequence 1)
Language
German
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557 Wilhelm von Humboldt in seinem Briefwechsel mit Juden und Jüdinnen Von Dr. Adolf Kohut, Berlin ||5>A^m 22. Juni d. J. ist anläßlich des 150. Geburtstages des am" 8. April 1835 in Tegel verstorbenen Wi 1 h e 1 m v o n H u m b o 1 d t ^Z^K gewiß aufs neue die Aufmerksamkeit auf diesen großen Forscher, bedeutenden Politiker und edlen Menschen gelenkt worden. Seine Beziehungen zu den Juden und Jüdinnen und seine Korrespondenz mit ihnen sind von hohem Interesse. Es dürfte sich deshalb verlohnen, einige besonders bezeichnende Briefe Humboldts an seine jüdischen Freunde zu veröffentlichen. Mit David Friedländer, dem bedeutenden Vorkämpfer der Judenemanzipation und gebildeten Großkaufmann, stand der um 17 Jahre jüngere Humboldt in einem fleißigen Briefwechsel. Die Werke, die Fricdländcr im Interesse seiner Glaubensgenossen veröffentlichte, las er sehr gern und verfehlte nicht, dem Verfasser seine Anerkennung auszusprechen. Nie unterließ es Humboldt, dem Freunde seine neu erschienenen Schriften oder auch einzelne Abhandlungen zu senden, da er auf sein Urteil großes Gewicht legte. Als er z. B. einen Aufsatz über die französische Bühne in der Zeitschrift „Propylaeen" veröffentlichte, ersuchte er Friedländer, ihm offen und ehrlich zu sagen, ob diese Arbeit seinen Erwartungen mehr als andere Sachen von ihm entsprochen habe. „Ich wünschte zu wissen, ob sie mehr Klarheit, Bestimmtheit und mehr Methode des Stils gefunden haben.44 In einem anderen Briefe schrieb er: „Grüßen Sie, liebster Freund, alle, die sich meiner erinnern, recht herzlich von mir, besonders Herz. Besonders bitte ich Sie, ihm zu sagen, wie sehr ich mich freue, bald wieder ihm ntther zu sein. Ich habe neulich seiner Frau geschrieben und werde es nächstens auch ihm selber tun." Er wünscht ihm, daß er „herrlich wohl leben solle". Dieselbe Hochachtung und Verehrung, die der junge Humboldt für Friedländer hatte, bewahrte er ihm auch auf der Höhe seines Lebens und seines Ruhmes. Als preußischer Gesandter und als Unterrichts-- und Kultusminister näherte er sich dem Freunde mit gleicher Liebe. Im Jahre 1816 schickte er Friedländer sein Werk „Agamemnon" und . schrieb ihm unter dem 17. August 1816 u. a.: „Nehmen Sie es mit Güte und zur Erinnerung an die Zeit, die uns ehemals enger miteinander und nicht ohne mannigfaltige Beziehung auf wissenschaftliche Gegenstände vereinigte, an. Ich schmeichle mir, daß die Chöre Sie interessieren werden und es sind in diesen des ,Agamemnon4 mehr als in denen der übrigen griechischen Trauerspiele tiefe und gehaltvolle Sentenzen. Ich freue mich herzlich, Ihnen bei dieser Veranlassung die Versicherung meiner hochachtimgsvollen Freundschaft wiederholen zu können."

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