Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 19 (10.7.1917)
- Article
- Der Kahal in Polen im XVI. bis XVIII. Jahrhundert
- Date
- 1917-07-10
- Page
- Seite 556 (sequence 7)
- Language
- German
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556 IV. Die Schulkommission bildete sich aus der Wohl- \ tätigkeitskommission (I) organisierte sich aber in vielen Gemeinden in leine „Fromme Brüderschaft** [Chewrath Talmud Tora], die \ gleich anderen Brüderschaften eigene Statuten hatte. V. Kirchenväter oder Synagogenverwalter wurden für jede \ Synagoge alljährlich gewählt. 1 -VI. Als im XVII. Jahrhundert Polen von vielen Feinden oftmals I lieimgesucht wurde, gerieten viele Bürger in Gefangenschaft. Bei den \ Christen bildete sich der Trinitarierorden, der sich zur Aufi gixbe machte, seine Ordensbrüder in ferne Länder zu schicken und Kriegsgefangene aufzusuchen und loszukaufen. Dasselbe hatten in den jjüdischen Gemeinden die Mitglieder der „Sklavenloskauf- : kommission", Gabbaei Pidjon Schebuim, zu besorgen. Am ärgsten j litten unter dem Kriege die Gemeinden des Ostens (Lemberg), und j von hier aus zogen auch die meisten „Loskäufer" in die ferne Tatareir \ auf die Krim, nach Astrachan und nach Konstantinopel, f VII. Verwalter der Gelder für das Heilige Land. \ Palästina und seine Armen haben die Juden Polens nie vergessen, :| und bei allen Gelegenheiten sammelte man milde Gaben für diesen \ Zweck ein, die aus allen Gemeinden nach Lemberg abgeschickt I wurden. Hier amtierten die Verwalter der Gelder für das Heilige Land, 1 an deren Spitze der „Fü r st d es heiligen Landes (Mara d'ar'a j Kadischa), ein reicher und angesehener Bürger, stand. Von Lemberg | aus zogen die Handelskarawanen nach dem Osten, und mit j ihnen zogen die Loskäufer und die „G e 1 d f ü h r e ru. VIII. In manchen Städten wurden bei den Kahalswahlen auch die i V o r s t e h e r der verschiedenen jüdischen Handwerkerzünfte und Kauf- I mannsgülden gewählt (Posen), in manchen anderen wurden diese Hono- I rationen von der Zunft allein bestimmt und eventuell vom Kahal bestätigt. Außer den Kommissionen sind in einer jeden Gemeinde noch folgende "j Ehrenämter, zu denen 1. die Rieh ter, I 2. die S t e u e r z e n s o r e n , i 3. die Wähler und Vor Wähler j gehören. Diese drei Gruppen werden wir andernorts besprechen, hier | wollen wir noch dies eine betreffs der Kommissionen bemerken, daß I mit dem Anwachsen der Agenden die Zahl der Kommissionen und mit f dem Anwachsen der Ambitionen die Zahl der Mitglieder in den ein- I zelnen Kommissionen so stark anwuchs, daß der Posener Kahal insgesamt | aus 101, der Krakauer aus 60 Personen bestand. Kleine Gemeinden mit | 100 Familien haben 40—50 Ehrenstellen zu vergeben. | (Dritter Artikel folgt)?