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Neue jüdische Monatshefte · 1917-06-25 · Heft 18 (25.6.1917) · p. Seite 540

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 18 (25.6.1917)
Article
Streiflichter über jüdische Religion und Wissenschaft
Date
1917-06-25
Page
Seite 540 (sequence 3)
Language
German
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540 sorge, in der ich mein Wesen erkenne und fühle, wie soll ich erwarten, daß die andere Welt in meiner Religiosität mich achten lerne? Und kann es ein Verfahren geben, durch das ich mein religiöses Selbst und die Ehrfurcht vor ihm offenkundiger preisgäbe, als wenn ich denjenigen als meinen Berater zulasse, der in der Erhabenheit seiner Einsicht mich von sich gestoßen hat, als den Anhänger eines Kulturproblems, das für ihn abgetan ist? Theoretisch wenigstens ist . der Dissident durchaus nicht weniger ungeeignet als der Konvertit zur Mitarbeit an einer jüdischen Zeitschrift. EJ|nJ[ig03iniinilj303 Umschau 00 0030 000 Holland Jüdische Emigranten Brief aus Rotterdam Von einer sonderbaren Kriegsepisode werden 1000 jüdische Emigranten aus Polen und Litauen zu erzählen haben, die bereits über drei Monate sich unfreiwillig in 'Rotterdam aufhalten. Die meisten dieser Emigranten wurden, wie bereits mitgeteilt, auf der „Nieuw Amsterdam1' einen Reisetag unterwegs nach New York, vom verschärften deutschen Unterseebootkrieg überrascht, der den holländischen Dampfer in den Rotterdamer Hafen zurückzukehren zwang. Zu ihnen gesellten sich dann weitere Emigrantenpartien aus dem okkupierten Gebiete des Ostens. Vergeblich warteten säe auf die Beförderung nach ihrem Reiseziel Der Passagierverkehr zwischen Holland und Amerika stockt seit Anfang Februar vollkommen, und niemand weiß vorläufig mit Bestimmtheit, wann or wieder wird beginnen können. Mit Rücksicht aui die deutsche Unterseebootgefahr wollen die Holländer den Anlauf eines englischen Hafens nicht riskieren, während die Verhandlungen wegen Inspektion der Dampfer im Hafen von Halifax bisher zu keinem günstigen Ergehnis geführt haben. Man spricht von neuen Verhandlungen und einer nahe bevorstehenden Lösung des Problems. Bestimmtes läßt sich aber zurzeit nicht sagen *). Die Emigranten waren in den ersten Wochen ihres gezwungenen Aufenthalts in den Räumen der Holland-Amerika-Linie in einer sehr gedrückten Stimmung und hielten sich nur in der Hoffnung auf eine vielleicht baldige Abreise aufrecht. Inzwischen haben sie sich doch einigermaßen in ihre Lage gefunden, und als wir sie diese Tage wieder besuchten, waren sie weit gefaßter und ruhiger, als bei unserem ersten Besuch. Dazu hat der Umstand viel beigetragen, daß für ihr leibliches Wohl unter den gegebenen Umständen ziemlich ausreichend gesorgt wurde. Die dringendste Frage der Speisung der Emigranten ist auf eine höchst befriedigende Weise gelöst. Die meisten Emigranten verweigerten die Annahme von nicht rituell zubereiteten Speisen, so daß sie sieh mit Brot, Hering und Tee begnügen mußten. Da griff ein spontan entstandenes Komitee eingewanderter galixischer Juden ein und sorgte für *) Eine Depesche, die nach der Drucklegung des Berichtes bei uns eingegangen äst, enthält die Mitteilung, daß die 1000 Emigranten inzwischen auf dem Dampfer „Noordam" abgereist sind. Die Redaktion.

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