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Neue jüdische Monatshefte · 1917-06-25 · Heft 18 (25.6.1917) · p. Seite 534

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 18 (25.6.1917)
Article
Der Ringkampf
Date
1917-06-25
Page
Seite 534 (sequence 2)
Language
German
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534 heii seiner Seele verstört habe, ließ ihn zuinnerst zittern — blieb doch dieser Sohn sein geheimes Glück, ja seine Leidenschaft, ein Gefühl, das er von seiner lange gestorbenen Frau übernommen, seit er entdeckt hatte, wie ganzlich Erich Gemüt und Sinn der Mutter geerbt, ja völlig ihren Charakter, wenn auch ins Jungmännliche umgebildet, besafe. Der Schüfe in die Linke war von der Heilkraft dieses zwanzigjährigen Körpers schnell und völlig aufgehoben worden; auch schien dem leidensdiaftlichen Gipfelkletterer und GSctscherfahrer manchen engadinischen Sommers der endlose Regen im nordfranzösischen Lehm nichts angetan zu haben: schlank und kräftig, braun und schön wie der Knabe David hielt er sich aufrecht im steifen Stuhl und afe mit einer glüddichen Hingabe all die guten Dinge, die die Haushälterin, strahlend vor Stolz, auf den Meinen blinkenden Eßtisch stellte. Sie nahmen den Kaffee und die Zigarren ins Arbeitszimmer des Vaters hinüber und lehnten rauchend in den bequemen Möbeln. Der Alte begann: „Ich glaube nicht da& du Lust hast, viel zu erzählen, auch kenne ich Peinlichkeit und Mühsal deines jetzigen Lebens aus den Briefen, ebenso wie den ungefähren Umri& deiner Gefahren und idi will nicht mit erlebnisgierigen Fragen in dich dringen. Ich weife auch, dafe es dich nach anderer Gesellschaft drängt als der eines alteren Mannes, ich gönne dir gern deine Freunde und deine Freundin, weil ich zu deiner Art Vertrauen haben darf." Erich errötete mit glänzendem Blick. „Ich zweifle keinen Augenblick, dafe du sie heut abend noch zu sehen begehrst und gebe dich gleich ganz frei. Nur habe ich mit triftigsten Gründen den Wunsch, dich trotz meines vorherigen Wortes um die Erzählung eines Erlebnisses zu bitten; Berichte mir das, was dir von allem Furchibaren am grauenhaftesten begegnet ist." Auf diese Art gedachte er sich einen Schacht durch die Seele des Sohnes zu legen, schmal, aber ganz hinab bis zum Kern durch alle ihre Schichten. Der Sohn, dessen beherrschte Unruhe oder Ungeduld einer sehr liebenswürdigen Heiterkeit gewichen war, seit er wußte, dafe Agnes ihn nicht vergeblich erwarten würde, besann sich kaum über die Ursache des väterlichen Verlangens. Er liebte ihn selten so wie heute abend, wo diese fast ritterliche Kameradschaft den Unterschied des Alters und den Gegensatz von Erzogenem und Erzieher aufgehoben hatte; er dachte, es ist eigentlich schade, dafe es erst dieser kargen Ruhe zwischen zwei Kriegsfahrten bedarf, um mit seinem alten Herrn natürlich und herzlich befreundet zu sein — :

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