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Neue jüdische Monatshefte · 1917-06-10 · Heft 17 (10.6.1917) · p. Seite 507

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 17 (10.6.1917)
Article
Die Legende vom Prophetenknaben
Date
1917-06-10
Page
Seite 507 (sequence 3)
Language
German
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507 vier heiligen Tiere, die den thron Gottes stützen, sich befinden. Über dem Stuhle der Herrlichkeit ist alles eitel Feuer, und fluch die Diener des Herrn sind Flamme für und für. Da der Vater des Neugeborenen seinen Sohn so sprechen hörte, schrie er ihn an und gebot ihm Schweigen. Also ward der Knabe stumm und sollte es zwölf Jahre lang bleiben. Seine Mutter wehklagte und sprach: Ein Sohn ist mir geboren worden. Ach, daß ich nie eines Knableins genesen wäre! Der Knabe Nahaman aber war sehr schön. Eines Tages, als Rabbi Pinehas aus dem Lehrhause kam, wusch Rahel seine Füße, wie es ihre Gepflogenheit war. Danach holte sie das Kind und setzte es auf ihren Schoß; bald aber fiel sie vor ihrem Eheherrn nieder, umklammerte seine Knie und weinte und sprach, seine Fußsohlen küssend: Ich flehe dich an, gib dem Knaben die Sprache wieder, oder er möge sterben. Da blickte Rabbi Pinehas zum erstenmal in das Angesicht seines Sohnes und sah, daß er überaus schön war; er beugte sich über ihn und küßte ihn dreimal. Als Rahel das sah, ward ihr Sinn ruhiger. Rabbi Pinehas aber sprach zu ihr: Steh auf, du sollst mit deinem Antlitz nicht die Erde berühren. Rahel hatte ihrem Eheherrn niemals widersprochen und seinem Befehl nicht zuwidergehandelt. Aber auch Pinehas kränkte nie sein Weib. Also erhob sie sich von der Erde, und Rabbi Pinehas sprach: Was ist dein Wunsch, daß mit dem Knaben geschehe? Rahel erwiderte: Es geschehe mit ihm, was der Wille unseres Herrn ist. Der Fromme sagte darauf: Ich weiß, du willst, daß ich des Knabon Zunge löse. Das Weib antwortete: Jawohl, mein Herr. Und sie fiel abermals ihm zu Füßen und flehte ihn an. Da sprach Rabbi Pinehas: Wehe dem Kindel So viel Weisheit wohnt ihm inne, und ihm ist kein langes Leben beschieden. Seiner Mutter Begehren ist, daß ihm die Sprache wiedergegeben werde, ich aber weiß, daß der Knabe Worte sprechen wird, die die Mensehen erschauern machen werden. Rahel sagte: Mein Herr, so stelle es an, daß er seine Weissagungen nur verhüllt spreche. Da drückte Rabbi Pinehas seine Lippen auf die Lippen Nahamans und hieß und beschwor ihn, daß er nimmer offen verkünde, was ihm sein Prophetengeist eingebe, und daß er nur dunkle und rätselvolle Rede führe, die kein Sterblicher vor ihrer Erfüllung zu deuten vermöchte. Darauf sprach Rabbi Pinehas zu seinem Sohne: Dir ist nunmehr zu reden verstattet. Da öffnete der Knabe seinen Mund und begann über den Jüngsten Tag zu weissagen. Diese Prophezeiungen, von denen jeder Vers mit einem andern Buchstaben des Alphabets anhebt, zerfallen in fünf Abschnitte und sind in einem aramäischen Buche niedergelegt worden. — Als Nahaman zu sprechen aufhörte, rief Rabbi Pinehas: Sei mutig und stark! Nahaman sagte: Euer beider 'Page werden lang sein auf Erden, ich aber bin euer erstgeborener und jüngster Sohn; mein Vater und meine Mutter werden mich zu Grabe tragen. Da er nun ausgeredet hatte, weinten seine Eltern, und ihre Trauer war groß. Es währte nicht lange, da verschied der Knabe und fuhr in die Ewigkeit. Dies ist die Geschichte des Prophetenknaben Nahaman Ketupha aus dem Dorfe Baream. Die. Sage erzählt, daß mit ihm in der Gruft noch vierzig Gerechte schlummern. [Übersetzt,von \l. tt/|

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