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Neue jüdische Monatshefte · 1917-06-10 · Heft 17 (10.6.1917) · p. Seite 506

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 17 (10.6.1917)
Article
Die Legende vom Prophetenknaben
Date
1917-06-10
Page
Seite 506 (sequence 2)
Language
German
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506 Herrschaft zu stürzen. Er tat indessen jedesmal Einkehr und sprach bei sich: Sollte ich, Wurm und geringes Geschöpf, dem Könige der Welt vorgreifen, der doch dereinst selber der Finsternis ein Ende machen wird? Wenn die Zeit erfüllt ist, wird der Herr das hohe Heer heimsuchen, das in der Höhe ist, wie es der Prophet verheißen hat. Bei solchen Gedanken ward Pinehas' Sinn ruhig; er weinte für sich und sprach: Was der Herr im Himmel und auf Erden zu tun geruht, das tue er. Die Ehegefährtin des Frommen hieß Rahel und war ein Weib, schön von Gestalt und gottesftirchtig von Herzen. Allein Leibesfrucht blieb ihr versagt. Sie ging die weisen Frauen um Rat an und tat alles, was die ihr befahlen, es half aber nicht. Sie klagte ihr Leid dem Herrn und rief: Die Eranutter Rahel weint um das Los ihrer Kinder, ich weine vor dir um das Los meiner Seele. Jeden Morgen, nachdem sie ihr Angesicht gewaschen und, frommer Sitte gemäß, ihr Haupt mit einem Tuch umbunden hatte, vergoß sie Tränen ihres Elends wegen. Wenn ihr Eheherr abends aus dem Bethause kam, wusch sie seine Füße und aß-mit ihm das Brot; tagsüber hatte sie sich jeglicher Speise enthalten. Der heilige Rabbi Pinehas aber sah ihr Antlitz nicht an; auch hatte er nie mit ihr gescherzt. . Da begab es sich in einer Nacht, daß Rahel dem Herrn ihr Flehen darbrachte und rief: Herr der Welten! Du bist der lebendige Gott, und dein Name ist lebendig. Ich weiß mich rein von Sünde, und sollte ich gefehlt haben, mein Ehemann ist keiner MiSvsetat schuldig. Und sollten wir auch beide Sünder sein, so gedenke dessen, was du von dir gesprochen hast: Ich bin ein Gott, der Tausenden die Gnade bewahrt. Und Rahel fiel auf ihr Angesicht und sprach: Tu es deines Namens wegen, deiner Treue, deiner Göttlichkeit und deiner Größe wegen und erhöre das Gebet deiner Magd. Und das Weib Rabbi Pinehas* weinte und seufzte; sie wähnte von ihrem Manne, daß er schlafe. Der Fromme aber hatte ihr Jammern gehört. Er erhob sieh von seinem Lager und sprach: Herr, du Gott Israels, neige dein Ohr der Stimme deiner Magd Rahel. Wie nun das Weib dieses Gobet ihres Mannes vernahm, fiel sie vor ihm zur Erde nieder, umfaßte seine Füße und rief: Ich beschwöre dich bei dem heiligen Namen, den auszusprechen dir gegeben ist, bete zu Gott daß er uns einen Sohn schenke. In dieser Stunde stellte sich Rabbi Pinehas zitternd und schweißbedeckt zu einem Gebete hin, und der Allmächtige ließ sich erbitten. Sein Weib Rahel wurde schwanger.- Sechs Monate verblieb das Kind im Leibe seiner Mutter. Am ersten Tage des siebenten Monats, welcher der fünfte Tag der laufenden Woche war, eine Stunde nach Sonnenaufgang, als der Himmel im Zeichen des Planeten Jupiter und des Sternbildes der Wage stand,, kam das Weib Pinehas1 mit oinem Knaben nieder. Die Geburt fiel auf den Neujahrstag des Jahres fünfhundert und zwanzig nach der Brandlegung des zweiten Tempels, und dem Kinde wurde der Name Nahaman gegeben. Kaum aber war der Knabe dem Schöße Raheis entsprossen, als er sich aufrichtete, alsdann vor seiner Mutter niederfiel und die Worte sprach: Über der Himmelsfeste, die ihr seht, wölben sich noch neunhundertfüufundfünfzig Himmel. Hoch darüber ist der Raum, wo die

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