Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 17 (10.6.1917)
- Article
- Bemerkungen zu den chassidischen Geschichten des Jizchok Leib Perez [Rezension]
- Date
- 1917-06-10
- Page
- Seite 505 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2908689-2908690-2908707-2909838--0826-2909870- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
505 der Erde. Der Ostjude kennt noch ein Gebot dos Himmels. Und im Gottloben des ChavSsidon ist Zartheit, und Wärme, ist Liebe und"Musik. Aus diesen einfachen Geschichten von Weisen oder besonders Frommen strahlt eine weiche Menschlichkeit, ein Sichopfernkönnen für ein Ideelles, trotz aller Primitivität ein Schimmer des Lebensideals, den der heutige religiöse Mensch wieder im Herzen trägt. Die Geschichten erzählen von Rebben, deren Gottesdienst in Liebeswerken und Verzeihen liegt, von Frommen, denen im unermüdlichen Beten und Fasten die göttliche Erleuchtung kommt, denen der Tod der selbstverständliche Endpunkt des Sichversenkens und Aufgehens in Gott ist: von tief durchseoiten Gebräuchen, wie sie nur eine Gemeinschaft glühend lebendiger Herzen erfühlen konnte; von den Melodien der Chassiden, in denen sie ihre Frommhoit ausdrücken. Wie Melodien geht es auch durch jede der Erzählungen, so ansatzhaft in epischer Hinsicht sie auch sein mögen. Und dies ist das Grunderlebnis, welches der Chassidismus und sein Dichter dem westlichen Juden gibt: daß hier noch das Wesentliche im Rhythmus liegt, im Grundzustand des Seelischen ~- nicht wie in der westlichen Kultur von dem Bedürfnis nach Einteilung und Formulierung auf das Wort zugespitzt: Hierzulande wird das Gefühl von Bildung, Dogma, von allem, was mit dem Wort zusammenhängt, erdrosselt. In den Menschen, die Perez schildert, singt und tönt noch unmittelbar das seelische Leben. Die Chassiden tanzen vor Freude, singen ihre Ehrfurcht, tuen ihre Empfindungen. Ihr Leben ist — wenigstens wie es Perez in den Geschichten schildert, die wohl eine geraume Zeit zurückliegen — noch 'nicht ertötet vom Zwange unter jener hart geronnenen Dinger, die man Worte nennt. Die Übersetzung von Alexander Eliasberg erscheint mir — soweit dies einer, der die Ursprache nicht beherrscht, beurteilen kann —, die Stimmung des chassidischen Lebens gut wiederzugeben. Man fühlt das Nacherlebnis beim Übertragen im Tonfall, so daß die Seelen und Schilderungen einem nahekornmne. Vollkommenes zu geben ist hier noch schwer, wie schon bei allen anderen Übersetzungen durch das eigenartige Verhältnis des Jüdischen zum Deutschen. Die Legende vom Prophetenknaben Mitgeteilt von M. J. bin Gorion WSZ&u Anfang des fünften Jahrhunderts nach dor Zerstörung des Tempels lebte im heiligen Lande ein Mann von ausgezeichneter Frömmigkeit und Weisheit mit Namen Rabbi Pinehas. Diesem Frommen ward die Gabe zuteil, durch das Aussprechen des unverstellten Namens Gottes Wunder zu wirken. Er beging aber nie die Sünde, diese Gabe zu mißbrauchen. Vielemal regte »ich in ihm der Wunsch, nach -dem Lande Edom zu gehen und kraft des heiligen Namens die gottlose