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Neue jüdische Monatshefte · 1917-06-10 · Heft 17 (10.6.1917) · p. Seite 498

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 17 (10.6.1917)
Article
Jüdischer Nationalismus
Date
1917-06-10
Page
Seite 498 (sequence 1)
Language
German
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495 Jüdischer Nationalismus *) Von Maximilian.Paul-Sohiff, Wien Y^lAV^ den bedeutsamsten Erkenntnissen, die uns der Weltkrieg ver- "schafft hat, gehört der Einblick in das Verhältnis der NationalitlsB täten 7Aim Staatsgobiide. Deutlich hat der Weltkrieg erwiesen, daß der Staat als der physisch Stärkere ebenso der nationalen wie der .sozialen Bewegungen — allerdings oft nach schweren Erschütterungen und bitteren Lehren — Herr geworden ist, und daß es sich in Hinkunft weit mehr um das „Bekenntnis zum Staat",- uhi den „Staat als Lebensform" handeln wird. Sofern der Staat die Rechte und Pflichten des für alle Bewohner in gleicher Weise sorgenden Hauswirtes ausüben und nicht als der Lassallesche „Nachtwächter" figurieren will, kann er nicht zugeben, daß seine Parteien nur für sich fordernd auftreten, und daß unter der FJagge „kulturellen Auslebens" jeder Hausgenosse nur an sich, nicht aber an die anderen Parteien und noch weniger an den Besitzer des Hauses denkt, unter dessen schützendem Dache man wohnt. Res publica supra nationes. Von allen für den Staat gefährlichen Begleiterscheinungen sind nur wenige nationalo Bewegungen vorschont geblieben. Eine einzige, die jüdische Nationalbewegung -rwenn man sie als solche betrachten will — weist keines dieser Merkmale auf. Ja es darf wohl behauptet worden, daß gerade ihre Anhänger sich Überali als die begeistertsten Vorkämpfer für den Staat und zugleich als seine sittlich wertvollsten Elemente bewährten, trotzdem sie ein fremdterritoriales topographisches Ziel aufgerichtet haben. Dio Lösung für diesen Wiederspruch, für dieses anscheinende Rätsel ist nicht schwer. Dio jüdische Nationalbewegung war eben nie eine nationale und kann nie eine nationale werden, ist sie doch eng mit dem „Judentum" verquickt, mit dessen religiösem Inhalt sie steht und fällt. *) In seinem Begleitschreiben zu dem Manuskript schrieb uns der Verfasser: „In den ,Neuen Jüdischen Monatsheften' sind bisher über die Juden- und Nationalitätenfrage in Österreich mehrere Artikel (von Professor Dr. W. Kosch, Dr. von Schullera, Dr. H. Kadisch) erschienen, welche sämtlich die Anerkennung der jüdischen Nationalität bzw. die Trennung der Juden von den anderen Nationalitäten befürworten. Ich glaube, daß es der Redaktion erwünscht sein wird, auch Stimmen aus Österreich zum Ausdruck gelangen zu lassen; die anderer Anschauung sind. Während ich die Entgegnung bearbeitete, kam ich zu der Erkenntnis, daß ihr zum besseren Verständnis eine allgemeine kurze Ausführung über den jüdischen Nationalismus und Zionismus vorangehen müsse, über welchen ich nach meiner bescheidenen Meinung, immerhin ein Urteil fällen %u dürfen; glaube,; zumal ich mit dem Begründer des Zionismus eingehend seinerzeit darüber sprach und mich für die neue Bewegung aufrichtig interessiere". Wir waren von Anfang an ernstlich bestrebt, alle Richtungen der Jüdischen Gegenwart zu Worte kommen zu lassen und bringen deshalb auch die nachfolgenden Betrachtungen gern zum Abdruck. D. Red.

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