Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 17 (10.6.1917)
- Article
- Zur Assimilation der Ostjuden
- Date
- 1917-06-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Zeitschrift für Politik, Wirtschaft und Literatur in Ost und West Erscheint zweimal Im Monat unter Mitwirkung von Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Hermann Cohen / Alexander Eliasberg Dr. Adolf Friedemann / Geh. Justizrat Dr. Eugen Fuchs Prof. Dr. Franz Oppenheimer imiiiiiiiiimiiiiimitiiiiiiitiiiitiitiiiiiiiiiitim I. Jahrgang 10. Juni 1917 Heft 17 Hiimmiimiiiiuiiiiuiiiminniiiiiiiiiiiitiiiiiium Diese Zeitschrift ist ein offener Sprechsaal für Jedermann. Für den Inhalt der Artikel übernehmen die Autoren selbst die Verantwortung Zur Assimilation der Osfjuden Von Dr. Manfred Horst*) STjjg^iir jemanden, der wissenschaftlieh zu denken und zu urteilen go* t fpSl wohnt ist, bleibt es immer eine bedenkliche Sache, ilber Dinge SjyQÖ Meinungen zu äussern und Entscheidungen zu treffen, die er nicht genau kennt. Aber in all den Fragen, die heute im Vordergrund des politischen Interesses stehen, gilt es unbedingt, sich sein Gewissen mit dem alten Goethe-Wort zu stärken, das uns die Beschränkung zur Pflicht macht. Zu den politischen Problemen, für die eine erschöpfende Kenntnis der Tatsachen in absehbarer Zeit gewiß nicht aufzubringen ist,-in denen man aber eben einfach gleichwohl zu gewissen Schlüssen, und zwar sehr bald, kommen muß, gehört die Ostjudenfrage. Allein auf ein gewisses Maß von Tatsachenkenntnis kann hier doch nicht verzichtet werden und Zurückhaltung ist für denjenigen, der sich einigermaßen redlich bemüht hat, im Bereich des Lobenskreises der Ostjuden selbst die Tatsachen zu erfassen, um so weniger am Platz, als sich leider eine großo Zahl von Politikern, die die Dinge nur sehr oberflächlich oder gar nicht aus eigener Anschauung kennen, nicht scheut, mit größter Sicherheit Ostjudenrezepte mit und ohne Giftstoffe zu verschreiben. Daß sich unter diesen schlecht orientierten Apodiktikern der Politik des Ostjudentums auch zahlreiche deutsche Juden befinden, kann bei dem heutigen Stand der politischen Diskussion nicht überraschen. Das, worin am häufigsten und am schwersten gefehlt wird in der Ostjudenfrage, sind die Verallgemeinerungen von Einzelerscheinungen, Verallgemeinerungen, die ja insofern allerdings begreiflich erscheinen, *) Die nachfolgenden Darlegungen gehen uns von einem bekannten christlichen Gelehrten zu, der reiche Gelegenheit hatte, an Ort und Stelle die Ostjudenfrage zu studieren. Die Red.