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Neue jüdische Monatshefte · 1917-05-10 · Heft 15-16 (10.5.1917) · p. Seite 483

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 15-16 (10.5.1917)
Article
Deutschland
Date
1917-05-10
Page
Seite 483 (sequence 2)
Language
German
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483 samer Arbeit der gesamten jüdischen Jugend Hamburgs nach einheitlichen Gesichtspunkten bildet. Im Gegensatz zu den vielen lauten Phrasen und theoretischen Erörterungen, die der Einigungsgedanke bisher als einzige Frucht gezeitigt hat, hat sich diese erste praktische Tat gänzlich unter Ausschluß der Öffentlichkeit vollzogen, und die der A.G. nahestehenden Personen sind auch heute noch der Meinung, daß der Erfolg ihrer Arbeit sehr wesentlich davon abhängt, daß sie unbeeinflußt durch die große Öffentlichkeit im engen, aber gewählten Kreise geleistet wird. Wenn hier einige Mitteilungen über die Hamburger A.G. erfolgen, so geschieht es nicht ohne Einwilligung des Leiters derselben, und nur aus dem Grunde, weil bereits ein gewisser Erfahrungsschatz vorliegt, der es gestattet, eine Gründung von Arbeitsgemeinschaften ähnlicher Art an möglichst vielen Orten dringend zu empfehlen. Die A.G. in Hamburg äst eine freie Vereinigung von Vertretern der verschiedenen jüdischen Jugendorganisationen, die regelmäßig zusammentreten, um jüdische Fragen zu besprechen. Neben kleineren Vereinen orthodoxer und liberaler Richtung ist es besonders der neutrale jüdische Jugcndverein und der Jüdische Turnverein Barkochba, die, als die größten und wichtigsten Jugendorganisationen am Ort, an der A.G. in besonderem Maße interessiert sind. Wichtig ist, daß in der Hamburger A.G. tatsächlich alle jüdischen Richtungen ausnahmslos vertreten sind. Ks haben sich weder die ganz links stehenden, noch die ganz rechts stehenden Elemente ferngehalten, und der Umstand, daß die A.G. bereits seit Monaten arbeitet, ohne daß irgendeine Partei der neuen Sache untreu geworden wäre, beweist zur Genüge, daß sich dem ehrlichen Willen zur Gemeinsamkeit ohne Mühe ein gangbarer Weg Öffnet. Dabei liegt der A.G. nichts ferner als ein Vertuschen der Gegensätze oder ein Hintenansetzen der Überzeugungen. Im Gegenteil! Die eigentliche Arbeit der A.G. besteht in der Erörterung grundlegender Fragen, die eben dadurch fruchtbar wird, daß jedes Mitglied sich verpflichtet fühlt, die Anschauungen der von ihm vertretenen Gruppe nachdrücklichst zu verteidigen. Vielleicht in keiner öffentlichen Versammlung spricht man sich so restlos aus, als in diesem kleinen Kreise, in dem man davon überzeugt ist, daß nur ein gänzlich vorbehaltloses Sichäußern, ein restloses Aufdecken aller bestehenden Verschiedenheiten der Meinung und des Empfindens die Grundlagen für eine gemeinschaftliche Arbeit abgeben kann. Denn man will in der A.G. keine „Einigkeit sans Phrase", keine äußere Fassade, hinter der eine tote Leere sich birgt, sondern ein Zusammenfassen und Zusammenhalten oberhalb alles Unterschiedlichen, das als gegeben hingenommen und in Betracht gezogen werden muß. ' Die Hamburger A.G. ist schon heute davon überzeugt, daß die höchste Schranke, die heute noch die jüdische Jugend in ihren einzelnen Organisationen voneinander trennt, in der scheinbaren Unmöglichkeit besteht, eine leidenschaftslose, vorurteilsfreie und doch sachlich restlos ergiebige Aussprache herbeizuführen. Sie ist sich dessen bewußt, indem sie den praktischen, sinnenfälligen Beweis des Gegenteils leistet, einen gewaltigen Schritt vorwärts getan zu haben, der das innerjüdische Problem mit einem Schlage in ganz anderem Lichte erscheinen läßt. Wer nüchtern denkt, wird zugeben, daß das Bild, das eine solche Arbeitsgemeinschaft gewahrt, suggestiver und überzeugender wirkt als alle noch so schönen Darlegungen der Notwendigkeit der jüdischen Einigung, denen der Nachweis der Möglichkeit fehlte. In Hamburg hat man die Erfahrung gemacht, daß das Vorhandensein der A. G. besonders auf; die wertvollsten Elemente in den verschiedenen Lagern einen anziehenden Einfluß ausübt. So hat sich der Kreis der Teilnehmer, der ursprünglich ein sehr kleiner und enggeschlossener war, allmählich erweitert, ohne daß er deshalb den Charakter einer internen Veranstaltung verloren hätte.

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