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Neue jüdische Monatshefte · 1917-05-10 · Heft 15-16 (10.5.1917) · p. Seite 482

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 15-16 (10.5.1917)
Article
Die neuesten Veränderungen der jüdischen Wirtschaftslage in Ost- und Westeuropa
Date
1917-05-10
Page
Seite 482 (sequence 11)
Language
German
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482 An die Juden des Westens und vor allem an die Juden der Zentralmächte stellt das Schicksal nun eine Frage, groß und bedeutungsschwer wie kaum seit vielen Jahrhunderten: Im Osten droht dem Bestände des jüdischen Stammes schwere Gefahr. Ihr seid wirtschaftlich stark. Ihr könnt helfen. Aus eurer Mitte kommen Organisationen ganzer Volkswirtschaften. Wollt Ihr nicht denen helfen, die eures Stammes sind, und deren Schicksal letzten Endes das eure sein wird? CIOCLDEiDÖIlÖIICLDEiDCLO Umschau [ü3Ö3[I0[ID0I3liDÖ3[3 Polen 1. Wie wir hören, bewilligte der Schweizer Bundesrat auf die Bitte des „Komitees für den Osten" die Ausfuhr großer Posten von Kleidern und Schuhen für die notleidende jüdische ^Bevölkerung der besetzten Ostgebiete. Der orste durch Sammlung des „Aktionskomatees ostjüdischer Organisationen" in Zürich befrachtete Waggon hat bereits die Grenze passiert. 2. Zu den Merkwürdigkeiten polnischer Verwaltungskunst, von denen sich bereits eine betrübende Sammlung anlegen läßt, gehört das Verhalten des Gemeinderats in Petrikau, der, wie wir hören, für die gelegentlich einer Krankheitsepidemie in der Stadt entstandenen Unkosten die JüdischeJ Gemeinde zur Zahlung aufforderte. "Er begründete das damit, daß hauptsächlich Juden erkrankt seien, also die Juden an der Epidemie die Schuld trügen und deshalb die Kosten, die der Stadt entstanden seien, tragen müßten. Man hat tatsächlich manchmal den Eindruck, als ob es die Polen förmlich darauf anlegten, sich schon jetzt, wo sie noch nicht über ein eigenes Staatswesen verfügen, durch ihre Verwaltungsmaßnahmen vor der europäischen Öffentlichkeit bloßzustellen. Unlängst wurde von einer Stadt des Österreichischen Okkupationsgebiets an die Stadt Warschau eine Rechnung übersandt für einen jüdischen Kranken,;der aus Warschau stammte und sich in der ersteren Stadt im Hospital ^aufgehalten hat. Die Stadtgemeinde verlangte darauf die Zahlung^von der Jüdischen Gemeinde, und als diese sich natürlich weigerte, zu zahlen, ließ die Warschauer Stadtverwaltung '^der Jüdischen Gemeinde die Aktenschriinke pfänden! Atn,28.£April wurde in Warschauer Zeitungen < eine Ankündigung veröffentlicht, ~ daß in der Finanzabteilung des^Warschauer Magistrats Angebote auf Pferde für die Begräbnisse auf dem städtischen römischkatholischen Friedhof erbeten werden. Bewerber jüdischer Konfession sind ausgeschlossen. Es sind also von jetzt ab nicht nur die menschlichen Einwohner Warschaus nach Religion geschieden, sondern auch die Pferde. Jeder Tote wird von den Rossen seines Glaubens auf seinem letzten Wege gezogen. Das Heil seiner Seele ist damit gesichert! A. F. Deutschland »Arbciisgcmelnsdtaftcri' der jüdischen Jugend Brief aus Hamburg. Ein sehr bemerkenswerter Schritt auf dem Wege zur praktischen Verwirklichung des Einigungsgedankens ist seitens der verschiedenen Jugendorganisationen in Hamburg unternommen worden. Durch die linitiative einer in allen Lagern geachteten Persönlichkeit ist dort eine „Arbeitsgemeinschaft" ins Leben gerufen worden, die, wenn nicht mehr, so doch sicher die Keimzelle zu späterer gemein-

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