Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 15-16 (10.5.1917)
- Article
- Wege und Ziele des jüdischen Sozialismus in Rußland
- Date
- 1917-05-10
- Page
- Seite 440 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2908689-2908690-2908706-2909744--0739-2909780- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
440 über die „nationale Frage4-. Mit größerem Nachdruck werden die nationalen Forderungen auf der folgenden 4. Bundestagimg im April . 1901 zu Bialystok verfochten.; Unter dem Eindruck der Debatten auf dem Brünncr Parteitag der österreichischen Sozialdemokratischen Partei (September 1809) und der von der Südslawischen Sozialdemokratischen Partei durchgeführten Resolution, in der für die „nationale Autonomie44 im Gegensatz zur „territorialen" eingetreten wurde, wurde auf der 4. Bundestagung der Wunsch nach einer st ärkeren B e t o n u n g des nationalen Charakters der Organisation zum Ausdruck gebracht und der Antrag gestellt, der „Bund" möge unverzüglich in sein Programm die F o r d e r u n g eine r n a t i o n a 1 c n Autonomie aufnehmen. 15er Antrag wurde wiederum mit der Motivierung abgelehnt, „es sei gegenwärtig besser, für die Abschaffung der Ausnahmegesetze gegen die Juden zu kämpfen . . . als zur Steigerung des Nationalgefühls beizutragen". Hingegen gelangte eine Resolution zur Annahme, der zufolge der „Bund" in seiner Eigenschaft als Vertreter des jüdischen Proletariats die Forderung stellen sollte, eine föderative Vereinig u n g aller nationalen sozialdemokratischen Organisationen innerhalb der Russischen S.-D.-Arbeiterpartei zu schalten. Auf der Bialystoker Tagung wurde auch erstmalig Stellung gegen die zionistische Bewegung genommen; das Nationalgefühl stehe «lern Klassenbewußtsein im Wege. Die neue Stellungnahme zur nationalen Frage brachte indessen den „Bund" bald in einen Gegensatz zur russischen Gesamtpartei. Im Zentralorgan der R.S.D.A.P., der „Iskra", setzte eine Polemik gegen die auf der 4. Bundestagung zutage getretene Auffassung ein. Der „Bund" verteidigte darauf im gleichen Organ seine Anschauungen. Im Jahre 1902 gab der „Bund" eine von \V1. Kossow.ski verfaßte Streitschrift gegen die „Iskra", betitelt „Zur Frage der nationalen Autonomie und der Konsolidierung der R.S.D.A.P. auf föderativer Grundlage1* heraus. Es wird darin die Forderung einer nationalen Autonomie propagiert, die auf „Selbstbestimmung in Kultur- und Sprachfragen" beruht, während die sonstigen nicht national-kulturellen Angelegenheiten von den staatlichen und munizipalen Organen geregelt werden. Durch diese Polemik geriet die Erörterung der nationalen Probleme einmal in Fluß und blieb nunmehr auf der Tagesordnung, Indessen war es dem „Bund" um die eben von ihm selbst perhorresziertc Forderung einer nationalen Autonomie bei weitem nicht so ernst wie um die Durchführung des föderativen Prinzips in der russischen Gesamtpartei. Diese Konzession mußte nun einmal an die nationalen Strömungen gemacht werden; zumal diese Forderung auch in rein o r g a n i s a t o r i s c h e r und agitatorischer Hinsicht eine Notwendigkeit war. Auf der 1903 in Zürich stattgehabten 5. Bundestagung wurde wieder das Verhältnis zu den nationalen Parteien und zur G e s a m t p a r t e i eingehend erörtert. Man beschloß die Festsetziuig eines neuen föderativen Statuts und — den Kampf gegen den Zionismus. Das neue. Statut wurde der im Juli 1908 in Brüssel tagenden