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Neue jüdische Monatshefte · 1917-05-10 · Heft 15-16 (10.5.1917) · p. Seite 429

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 15-16 (10.5.1917)
Article
Wege und Ziele des jüdischen Sozialismus in Rußland
Date
1917-05-10
Page
Seite 429 (sequence 1)
Language
German
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429 Wege und Ziele des jüdischen Sozialismus in Rufeland n stärkerem Maße noch als die modern-sozialistische Idee wurde j^giS die sozialistische Bewegung der neueren Zeit durch die jefiCTSä weil ige Eigenart der wirtschaftlichen und politischen Kulturentwicklung und der nationalen Geistesrichtung im Charakter und Verlauf wesentlich determiniert. Und es hat fast den Anschein, als ob iiier der geistigen Artung ein höheres Maß von entscheidender Bedeutung zukam, als der objektiven Macht der wirtschaftlichen und politischen Tatsachen. In England, der iiitesten Domäne des europäischen- Iwlustrialismus, wurden Idee und Bewegung von Anfang an in die friedlichen Bahnen einer zielsicheren sozialreformerischen Evolution geleitet. Im reißenden Strudel der ruhelosen politischen Energien tauchte die neue soziale Idee in Frankreich völlig unter, um dann als Welle in der brandenden Flut des politischen Gestaltens wieder an die Oberfläche zu steigen. In Deutschland, von der gleichzeitigen wirtschaftlichen und politischen Gestaltung kaum projiziert, schlug die neue Erkenntnis als wirklichkeitsabgewandtes Idealbild ihre tiefsten Nährwurzeln im Erdreich eines spekulativen Volksgeistes. Ein eindringender Blick in den inneren Entwicklungsgang von Idee und Bewegung in den europäischen Kleinstaaten ist dazu angetan, die berührten Zusammenhänge ins klare Licht erfahrungsmäßiger Gewißheit zu rücken. Im Osten Europas waren Gedanke und Bewegung des modernen Sozialismus von Anfang an eng an der staatlichen und gesellschaftlichen Wirklichkeit orientiert. Wie sich im älteren russischen Utopismus eines Herzen und Tschernischewski das russische Nationalgefühl zu einem Weltgefühl ausweitet, so wurzelten auch die neuen russischen Gesellschaftsideen tief in der unmittelbaren Realität eines urwüchsigen Volkslebens. Die um die Epoche der Bauernbefreiung von 18G1 in Rußland einsetzende neue Bewegung fand hier eine gleich retardierte, aber einheitlich verlaufende staatliche und soziale Entwicklunglinie vor; sie war so von vornherein auf ein staatlich-soziales Doppelziel gerichtet. . Sie wurde „sozial-revolutionär". An die bestehende ländliche Eigentumsverfassung anknüpfend, strebte man einer sozial-staatlichen Reform im föderativ-sozialistischen Sinne zu. Die sog. „Anarchisten44 und „Propagandisten44 hatten ein klares und wirkliches Ziel ins Auge gefaßt: eine neue soziale Reform auf der Grundlage des bestehenden bäuerlichen Gemeineigentums. Auch die Theorie ihrer Nachgänger, der „Volkstümlichen44, war der Bauernschaft auf den Leib zugeschnitten: Abschaffung des Privateigentums an Grund und Boden und Neuverteilung. Von diesen unterschieden sich die Leuto des „Volkwillens44 nur hinsichtlich der Taktik. Der Bewegung ging jeder abstrakt - theoretische, einem fremden Entwicklungskreis entlehnte „antikapitalistische44 und „proletarische44 Charakter völlig ab. Sie blieb auch äußerlich eine ausgeprägt bürgerliche. Ein eigentlicher am. Marxismus orientierter Arbeitersozialismus entsteht in der Von Leo Rosenberg, Berlin

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