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Neue jüdische Monatshefte · 1917-04-25 · Heft 14 (25.4.1917) · p. Seite 420

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 14 (25.4.1917)
Article
Ein Wort zur buddhistischen Bewegung in Deutschland
Date
1917-04-25
Page
Seite 420 (sequence 3)
Language
German
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420 und Genugtuung auf das Schauspiel zu sehen, daß unsere herrlichsten Ideen, wenn auch nur im Gewände des Christentums, zum Gemeingut der gebildeten Menschheit geworden sind. Aber jene antichristlichen Stimmen möchten wir auch unsererseits mit einer kleinen — antichristlichen Polemik begleiten. Was hat es, nach den geschilderten Zeichen und Bestrebungen, auf sich, daß das Christentum als d i e Religion schlechthin zu bezeichnen sei? Bekanntlich war es A. von Harnack, der in seinem so weit verbreiteten Buche „Das Wesen des Christentums" für das Christentum einen Platz vindizierte, der diese Konfession über jede Religion erhebt und ihr allein die Qualitäten zuschreibt, die einer wahren Religion anzuhaften haben. Fern sei uns jede dogmatische Polemik; doch mit Verlaub — eine Flucht zu einer anderen Religion, oder sagen wir, vorsichtshalber, zu einer anderen Weltanschauung, ist doch für die verlassene Religion nicht dasjenige Ehrenzeugnis, das sie als die allein befriedigende, die allein seeliginachende hinstellen könnte. Noch eindringlicher ergeht aber unsere mahnende Stimme an unsere eigenen Glaubensgenossen, an jene Schwankenden und Plaltlosen unter uns, die, unbefriedigt von dem Heilsmhalt des Judentums, nur einen kurzen Lauf oder gar nur einen kurzen Gang machen zu müssen glauben, um in den Schoß einer anderen, glänzenderen, ihnen die heißesten Wünsche ihres Herzens erfüllenden Glaubensgemeinschaft zu gelangen. Ihnen gilt unser mahnendes Wort: Schei es ist nicht alles Gold, was glänzt. Sehet, auch drüben gibt es Enttäuschung und Leere des Herzens, eine Enttäuschung und eine Leere, die gerade die am bittersten empfinden, die nach einem Gehalt ihres Lebens, nach einer Befriedigung ihrer Seele suchen. Machet es diesen zumindest soweit nach., daß ihr nachdenket wie sie, untersuchet wie sie, ausschauet wie sie. Ein Beharren wird euch dann richtiger dünken als ein Abschwenken. Doch noch ein anderes bezwecken wir mit diesem kurzen Worte; wir möchten, gewissermaßen als ein winziges Organ des Judentums, den Beweis erbracht haben, daß wir nicht blind sind gegen die Zeichen der Zelt und auch Symptome einer möglichen Entwicklung zu erkennen vermögen. Ohnedies wurde dem Judentum in seiner Gesamtheit der Vorwurf gemacht, daß es seinerzeit, bei der Entstehung des Christentums, kein wachsames Auge hatte für die Vorgänge in seiner eigenen Mitte, daß sich in ihm keine Stimme traf, die der neuen Verkündigung die Spitze geboten hätte, ein Fehler, der sich beim Entstehen des Islam nur wiederholte. Freilich waren es zuerst nur Kleinigkeiten, unscheinbares Rumoren von ein paar Wahrheitsschwärmern, die man glaubte übersehen zu können; wir wissen, was daraus geworden. Auch die buddhistische Bewegung in Deutschland schlägt ja vorderhand keine tiefgehenden Wellen, aber sie, die Bewegung, ist da, und wer weiß, wohin und wie weit sie sich bewegen wird. Wir, im anderen Lager, brauchen nichts dagegen zu tun, aber aufmerksame Zuschauer, denkende Beobachter zu sein ist sehr unseres Amtes.

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