Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 14 (25.4.1917)
- Article
- Der Kahal in Polen im XVI. bis XVIII. Jahrhundert
- Date
- 1917-04-25
- Page
- Seite 408 (sequence 2)
- Language
- German
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408 In Regensburg hatten die Juden im XIII. Jahrhundert zwei Richter, von denen einer von ihnen gewählt, der zweite vom Landesfürsten ernannt wurde; die halspeinliche Gerichtsbarkeit lag in den Händen des Stadtvogts. In Schweidnitz (Schlesien) wurden von den Juden ihre Ältesten mitsamt dem Rabbiner gewählt, deren Gewaltsich auf das ganze Herzogtum Schweidnitz erstreckte1). Die Judenprivilegien in Mitteleuropa (XIII. Jahrb.), die einander gleich sind und sämtlich auf dem österreichischen Privileg Friedrichs des Streitbaren (124G) basieren, enthalten keine direkten Weisungen in Sachen der jüdischen Gemeindeverwaltung. Das österreichische Privileg (Wien 124C) übernahm B e 1 a IV. und erteilte es im. Jahre 1251 den Juden Ungarns; von hier aus wanderte es nach Böhmen, wo es Premisl Ottokar (1254) seinen Juden verlieh. Im Jahre 1201. erteilte dasselbe Privileg der großpolnische Herzog Boleslaus Pius den Juden in Großpolen (Kaiisch) und durch mehrmalige Bestätigungen Kasimirs des Großen (1335,1364,1367)erlangte es in ganz Polen bindende Kraft. Nach der Vereinigung Polens mit Litauen wurde dasselbe Privilegium den Juden von Brest Litowsk (1389) usw. erteilt und von der Zeit an galt es im ganzen polnischen Staate. Infolge oftmaliger Kopierungen haben sich in die einzelnen Exemplare dieses Privilegs Varianten und ganze Vorschriften (Paragraphen) eingeschlichen, die zu vielen historischen Auseinandersetzungen betreffs ihrer Echtheit Anlaß gaben. Am meisten wurde die Echtheit der letzten Kasimirischen Be¬ Frankfurt a. M. 1913 und 1910 (Bd. X und XI), Balaban, M.: Joseph Jonas Theomim-Fränkel, Rabbiner in Krakau und seine Zeit (1742—174;")). MGWJ. Breslau 1910. Balaban, M.: Die rechtliche Verfassung der Juden in Polen (§§ I—VII). Jewrejskaja Starina. Petersburg 19)0—11 (russ.). Der Pinax der Landtage der Hauptjudengemeinden in Litauen, Bd. I (hebr.- russ.). Editio Dubnow-Tuwim. B i e r s c fa a d s k i j: Russko-jewrejskij Archiv. Bd. III. Petersburg 1903. Kutrzeba: Aktensammlung zur Verfassungsgeschichte, dos Krakauer Wojewodentums. Krakau 1909. Geschichte der Juden in verschiedenen Städten, die ich der Kürze halber nur summarisch zitiere: a) hebräisch: Buber: Äölkiow. Krakau 1903. Feinstein: Brest-Litowk. Warschau 1886. Nissenbaura: Lublin. Lublin 1899. Biber: Ostrog. Berdiczew 1907. Margulios: Dubno. Warschau 1910. b) polnisch: Schorr: Przemysl. Lemberg 1903. Schipper: Tarnow (in der poln. - histor. Viertel*. jahresschrift). Lemberg. Balaban: Lemberg (1906), Krakau (1913). c) deutsch: Perles: Posen (1865). Löwin, Louis: Inowrazlaw. Posen 1900. Pinne. Pinne 1903. Lissa. Pinne 1904. Kaiisch. Petersburg 1910. Freimann, A.: Ostrowo. 1895 Berg er, H.: Krotoschm 1907 Herzberg: Bromberg. Frankfurt a. M. 1903 *) S t o!) b e: Die Juden in Deutschland während des Mittelalters, S. 141 ss.