Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 13 (10.4.1917)
- Article
- Deutschtum und Judentum
- Date
- 1917-04-10
- Page
- Seite 376 (sequence 5)
- Language
- German
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376 Streuungen, die Verfolgungen, das Ghetto, die Hineindrängung in besondere Berufe und Gewerbe, die lange andauernde Unvermischtheit mit dem „Wirtsuvolke usw. Es hieße, den Grundgedanken, daß sich über Starainescharaktero nur mit großen Einschränkungen etwas aussagen läßt, Übertreiben, wollte man an den Ergebnissen der formenden und differenzierenden Einflüsse dieser Geschichte» achtlos vorübergehen. Aber, wie gesagt, ich will über die ..letzton Wurzeln dieser Zusammenhänge überhaupt nicht orakeln, sondern nur so realistisch wie möglich von einigen Eindrücken berichten, die sich mir aus persöu Hoher Erfahrung, ferner aus Lektüre und Studium aufgedrängt haben. Dabei sind es nicht die — z. B. von Hermann Cohen hervorgehobenen — Gleichheiten zwischen Juden und Deutschen, sondern gerade Unterschiede zwischen beiden, die uns hier interessieren sollen. Mir will nämlich scheinen, daß die Juden dem deutschen Leben etwas hinzufügen, was es sonst schwer entbehren müßte, Bei der Mehrzahl begabter Juden glaube ich Eigenschaften und Neigungen beobachten zu können, die bei den Deutschen „arischer" Herkunft weniger stark oder seltener vorhanden sind, und die — /war hier und da schädlich wirken mögen, auf anderen Gebieten aber — sehr wertvoll sind. (Schluß folgt) . Sterblichkeil der Juden in Wilna.in den letzten 5l/a Jahren (1911-1916) Von Dr. med. Zemach Schabad, WÜna*) I. Sl^^ie Ermittlung und Bearbeitung statistischer Daten gehört get jfewl wohnlich n\ den Obliegenheiten amtlicher Institute, denen sowohl SÜlk^C die Möglichkeit zur Beschaffung des Informationsmaterials wie auch die erforderlichen Mittel zu dessen gewissenhafter Kontrollierung freistehen. In den westeuropäischen Ländern hat sich die Bevölkerung längst daran gewöhnt, genaue Angabe über die verschiedenen Zweige des sozialökonomischen und kulturellen Lebens zu liefeyn. Den amtlichen statistischen Bureaus stehen wiederum ausreichende Hilfskräfte zur Verfügung, die die geregelte Ausgabe spezieller, in praktischer sowohl wie in theoretischer Hinsicht wertvoller Berichte ermöglichen. Bei uns in Osteuropa aber steht die statistische Praxis noch heute auf einer niedrigen Stufe. Wer sich in W i hn a mit den einschlägigen Fragen befassen will, muß es schon mit dem Rohmaterial der nackton Ziffern vorlieb nehmen, deren Bewertung und Sichtung ihm überlassen bleibt. l) Der nachfolgende Aufsatz ist erschienen in dem ausgezeichneten Buch „Wilnaer Sammlung", das in dem Heft 10 unserer Zeitschrift besprochen wurde. Das Sammelbuch ist durch den „.Kidischen Verlag", Berlin \V 15, zu beziehen.