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Neue jüdische Monatshefte · 1917-03-25 · Heft 12 (25.3.1917) · p. Seite 351

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 12 (25.3.1917)
Article
Gespräch auf Zions Walle
Date
1917-03-25
Page
Seite 351 (sequence 5)
Language
German
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351 stößt, und hat midi nie geschaut und nie Kränkung gehabt von meinem Leben. Fremd sind wir einander wie die Bäume des Waldes, doch die wachsen still und blühen aus sich, wir aber wüten widereinander mit der Axt und dem Speer, bis das Harz unseres Blutes aus den Leibern quillt. Was ist dies, das Tod zwischen die Menschen stellt und den Haß säet mit harter Hand, da dem Leben so viel Raum ist und der Liebe so lange Frist? Ich verstehe es nicht, ich verstehe es nicht. Der erste Krieger: Von Gott muß es kommen, und nun ist es so; ich frage nicht weiter. Der zweite Krieger: Gott kann diesen Frevel nicht wollen. Er hat das Leben gegeben um des Lebens willen. Hinter seinen Namen häufen die Menschen alles, was sie nicht verstehen. Nicht von Goii kommt der Krieg, woher mag er nun stammen? Der erste Krieger: Was weift ich, woher er stammt! Ich weiß, er ist da und will nicht beschwatzt sein. Ich tu' mein Geheiß, ich schärf' mir den Speer und nicht meine Zunge. (Ein Schweigen entsteht zwischen beiden. Sie stehen lautlos in der weißen Stille und spähen hinaus. Von ferne tönt der Wachtruf „Simson über sie'' ganz undeutlich zuerst, dann näher, gesprochen von den unsichtbaren Wachen, „Simson über sie" und ganz deutlich heran von den nächsten Posten. Auch die Krieger wiederholen laut den Ruf „Simson über sie", und man hört ihn die unsichtbare Runde der Mauer weiterlaufen und vertonen. Es wird wieder ganz still, ehern stehen die Gestalten mit verschaiteiem Gesicht im blanken Mondglanz. Schweigen.) Der zweite Krieger: Weißt du etwas von den Chaldäern? Der erste Krieger: Unsere Feinde sind sie, das weiß ich, und wollen wider unsere Heimat: Der zweite Krieger: Nicht dies meine ich. Ich frage dich, hast du ihrer je einen gesehen, kennst du ihre Sitten und ihre Länder? Der erste Krieger: Grausam sind sie wie wilde Katzen und heimtückisch wie die Schlangen, so hat man mir gesagt, und sie werfen ihre Kinder in brennende Götzen von Kupfer und Blei. Doch nie habe ich ihrer einen gesehen. Der zweite Krieger: Ich auch nicht. Es türmen sich viel Hügel zwischen Babel und Jerusalem, Flüsse fahren dazwischen und mehr des Lands, als einer in Wochen durchschritte. Selbst die Sterne stehen anders über ihren Häupten und unsern und

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